Zoli Z-Gun XL-EVO (Teil 1)

Die Dynamik der Flinte

Zoli ist bekannt als innovativer Hersteller von Flinten für Sport und Jagd. Die Z-Gun als Flaggschiff des Unternehmens hat sich auf den internationalen Schießständen einen Namen als Wettkampfflinte gemacht und dort etabliert. Nun ist die Z-Gun-Familie um ein Mitglied reicher geworden: die XL-EVO. Sie wurde 2017 bereits auf dem Zoli-Heimmarkt Italien verkauft und getestet und hält nun in Deutschland Einzug.

Der Wunsch nach Individualität

Wer sich im Flintenschießen sportlich engagiert, spürt irgendwann das Verlangen, sein Sportgerät zu tunen. Dafür muss man nicht unbedingt schon ein Wettkämpfer mit olympischen Ambitionen sein. Die Sehnsucht, an der eigenen Flinte zu basteln, beginnt nicht selten in einem frühen Stadium der Karriere. Die Sehnsucht nach Veränderung kann in Richtung der Balance streben oder in die der Senkung und Schränkung durch einen verstellbaren Schaftrücken oder in ganz andere Gebiete. Einen variablen Schaftrücken bekommt man schon mit Flinten in einem mittleren Preissegment, und wenn es um die Balancierung der Flinte geht, sind durchaus einige Systeme im Umlauf. Während die Schaftrückenverstellung ihre Wirkung erst in der Vollendung des Anschlags entfalten kann, also wenn der Hinterschaft das Jochbein und die Schultertasche erreicht, beginnt die Balance viel früher Einfluss zu nehmen, nämlich bereits dann, wenn man die Flinte in die Hand nimmt, aber auf jeden Fall am Beginn aller Bewegungen des Schützen auf dem Weg zum Ziel.

Es geht auch um die Balance, aber nicht nur

Wer an seiner Flinte Gewichte hinzufügt oder wegnimmt, mag sich zunächst mit der Frage beschäftigen, an welcher Stelle die Flinte im Gleichgewicht sein sollte. Soll die Flinte dort balanciert sein, wo der Scharnierbolzen sitzt oder wo der Vorderschaft mit der Hand gegriffen wird oder an einer ganz anderen Stelle? Eine Flinte so anzuheben, dass die Seelenachse eine kontrollierte Bewegung nehmen kann, ist zunächst eine Frage der Balance. Ist die Flinte kopflastig und will lieber nach unten als nach oben oder ist sie vorne zu leicht und will zu leicht nach oben, in beiden Fällen muss der Schütze einen höheren Aufwand treiben, als es der Fall wäre, wenn die Flinte optimaler balanciert wäre. Einmal abgesehen von der Frage, wo die günstigste Stelle für das Gleichgewicht der Flinte sein könnte, sollte man besser sagen, dass es nicht allein eine Frage der Balance ist, wie die Flinte zu bewegen ist, sondern auch.

Die Dynamik der Flinte

So gelangt man zu dem Gedanken, dass mit jeder Veränderung des Gesamtgewichtes der Flinte und durch den Umstand, an welcher Stelle der Flinte man sie schwerer oder leichter macht, ihre Dynamik beeinflusst wird. Wie sich die Flinte während sämtlicher Teilbewegungen einer ausgeklügelten Schießtechnik vom Schützen bewegen lässt, das entscheidet mit, wenn es um Erfolg oder Misserfolg, um Sieg oder Niederlage oder einfach nur um den Spaß am Flintenschießen geht. Die Dynamik der Flinte wird durch ihr Gewicht mitbestimmt und dadurch, wo sich welches Gewicht befindet. Außerdem kann die Dynamik nur im Zusammenhang mit der Anatomie, der Kraft und Kondition ihres Anwenders gesehen und beurteilt werden. Deshalb ist es einerseits nicht möglich, ab Werk eine für alle Schützen geltende und zugleich für jeden perfekte Einstellung vorzunehmen. Andererseits kann auch der einzelne Schütze nicht von vornherein sagen, welches die für ihn günstigste Konstellation ist. Die kann er nur durch Versuchen und Probieren, durch Testen und Tüfteln und all das über einen längeren Zeitraum zu ergründen versuchen. Wer sich mit seiner Flinte beschäftigt, für den ist das keine Belastung, sondern eine Freude. Auf dem Weg zur idealen Dynamik seiner Flinte beschäftigt man sich mit der Verbesserung der Zeigfähigkeit seines Gerätes. Wenn man auf seinem Weg, Verbesserungen für sich selbst erreichen zu wollen, herstellerseits durch Ausstattung und Zubehör in die Lage versetzt wird, in die Dynamik seiner Flinte eingreifen zu können, so ist das sehr zu begrüßen.

Das Zoli-BHB-Systen

Schon vor der Entwicklung der XL-EVO hat Zoli dem Abschnitt der Flinte, welcher sich zwischen den beiden Händen des Schützen befindet, eine besondere Bedeutung beigemessen. Das Zoli-BHB-System ist als Ausstattungsvariante von der Z-Gun nicht wegzudenken, wobei das erste B für Between, das H für (The) Hands und das zweite B für Balancer steht.

In der Tat kommt dem Gewicht der Flinte, das sich zwischen den Händen des Schützen befindet, eine andere Bedeutung zu als demjenigen, das davor oder dahinter liegt. Das kann sich jeder rein gefühlsmäßig vorstellen, auch ohne die Physik der Hebelwirkung zu bemühen. Das BHB-System besteht aus zwei Komponenten. Einerseits ist im Pistolengriff der Flinte eine Kammer eingelassen, in der auf einer Schraube mehrere Gewichtsscheiben angebracht werden können. Die Zahl der Scheiben kann durch den Schützen variiert werden. Zum anderen besteht die Möglichkeit, entlang der Seitenschiene der Läufe unter dem Vorderschaft sowohl links als auch rechts eine Reihe von Laufgewichten magnetisch zu befestigen. Beide Möglichkeiten zusammen definieren nicht nur die Balance der Flinte, sondern auch ihr Gesamtgewicht. Die Bandbreite ist erheblich: Man kann alles wegnehmen oder alles hinzufügen oder jede beliebige Situation dazwischen wählen. Hierbei schlägt ein wichtiger Aspekt zu Buche, nämlich die Möglichkeit, die Auswirkung der jeweiligen Einstellung über einen längeren Zeitraum durch Schießen zu beobachten. Denn der Schütze kann alle Veränderungen selbst, einfach und schnell vornehmen und wieder rückgängig machen. Man braucht hierfür keinen Büchsenmacher, und das notwendige (einfache!) Werkzeug wird mitgeliefert.

Mit der XL-EVO einen Schritt weiter: Die Variation des Baskülengewichtes

Natürlich gibt es das BHB-System auch für die XL-EVO. Aber Zoli geht jetzt noch einen Schritt weiter. Die Basküle ist von Haus aus gegenüber den anderen Z-Guns verbreitert und zusätzlich kann der Schütze das Gewicht der Basküle verändern. Das wird möglich durch mitgelieferte Platten, die seitlich links und rechts auf die Basküle aufgebracht werden. Die Platten sind unterschiedlich dick und schwer. Es ist sogar möglich, links und rechts unterschiedlich dicke Platten anzubringen, sodass die Basküle links schwerer ist als rechts oder umgekehrt.

Durch das Zusammenwirken des BHB-Systems und der Gelegenheit, das Gewicht der Basküle auf verschiedene Arten zu variieren, ergibt sich ein Spek-trum von Möglichkeiten, an dessen Ende das perfekte Massezentrum stehen kann – perfekt immer in Relation zur Individualität des Schützen. Eine Perfektion der Dynamik für sich allein kann es nicht geben – sie entsteht erst durch die Abstimmung auf ihren Benutzer.

Fortsetzung folgt

In der nächsten Ausgabe dieflinte werden wir über die Details des Tunings und die durch uns gewonnenen Erfahrungen berichten. Wer darauf nicht warten möchte, erhält die XL-EVO wie alle anderen Z-Guns ausschließlich über einen Zoli-Stützpunkthändler. Die XL-EVO gibt es ab 7.599 Euro (Unverbindliche Preisempfehlung).

Text: Detlef Riechert
Fotos: Antonio Zoli, Frankonia


Kontakt:

Importeur: www.frankonia.de

Deutsche Zoli-Webseite:
www.zoliantonio.com/de/