Und wieder Shotgun-Shooting in Florida

… Frühling in den Staaten

Wer weiß schon, was die politischen Veränderungen in den USA noch für Auswirkungen haben werden. Auch für uns als Touristen aus der alten Welt. Ende April, wenn das Wetter in Deutschland noch nicht zuverlässig Richtung Sommer tendiert, wollen wir aber in die Sonne. Florida ist sonnensicher, unser ESTA noch gültig – also ab über den großen Teich. Diesmal verschlägt es uns in den äußersten Norden Floridas, die Küste Georgias und den südlichen Zipfel von South Carolina. Charleston ist die heimliche Königin der Südstaaten, Ft. Sumter ein Muss für alle Geschichtsinteressierten.

Ausgangs- und Endpunkt unserer Reise in die USA ist Jacksonville. Und natürlich gibt es – wie soll es anders sein – ganz in der Nähe gar vier Wurftaubenstände. Ganz zufällig.

Zuerst versuchen wir es bei „WW Sporting Clays“ westlich von Jacksonville. Hm, die Anlage ist jetzt nicht so ganz das, was wir erwartet und bisher kennengelernt haben. O. k., der Stand existiert seit 1995, aber genauso lange scheint dort nicht mehr viel verändert worden zu sein. Der Manager Ken Branham gibt sich zwar Mühe, uns die Anlage schmackhaft zu machen, und fährt mit uns auch den Parcours-Trail ab. Aber die Käfige auf der Parcoursanlage sind irgendwie lieblos aus Plasterohren zusammengesteckt, die gesamte Anlage macht keinen sonderlich gepflegten Eindruck und Leihflinten gibt’s auch nicht. Ein wirklich kurzer Besuch. Man(n) kann nicht alles haben.

Wir versuchen es jetzt beim Jacksonville Skeet & Trap Club im Norden der Stadt. Als wir ankommen, wird gerade zusammengepackt. Das Ende eines Wettkampfs. Trotzdem werden wir aufmerksam registriert und begrüßt. Kurz erklärt, woher wir kommen und was wir möchten ... Sorry – der Manager kommt gleich.

Hier sieht alles irgendwie gediegener aus. Jede Menge Parkplätze, ein richtiges Clubhaus, ein kleiner Pro-Shop. Zehn kombinierte Stände, einmal Five-
Stands, zwei Wobbler und zwei Sportinganlagen mit je 15 Stationen, Gesamtlänge 1,8 miles.

Da kommt auch schon der Manager. Bobby Turner erklärt uns, dass hier bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts Flintensport betrieben wird, der Club bereits 1936 gegründet wurde und seit 1984 der Schießstand am jetzigen Standort durchgängig betrieben wird. Das gesamte Areal erstreckt sich über 270 acre (ca. 110 ha). Zu etwa 250 „livetime-members“ kommen noch ca. 300 Schützen, die eine Jahresmitgliedschaft lösen. Der älteste aktive Schütze ist 87 (!) Jahre alt, die jüngsten, ab 13, schießen unter der Aufsicht ihrer Eltern.

Bobby entschuldigt sich schließlich, dass er sich nun nicht weiter um uns kümmern kann. Er verspricht mir aber, dass ich gerne seine eigene Flinte nutzen könne, und übergibt uns an Larry Freeman (nach eigener Aussage nicht mit Morgan Freeman verwandt ...).

Larry ist Rentner, kümmert sich als Volunteer um die Besucher und ist außerdem als Sicherheitsinspektor auf der Anlage tätig. In einem, der uns ja schon bekannten Clay-Carts fährt er mit uns die Anlage ab und berichtet stolz, dass z. B. allein am letzten Mittwoch etwa 300 Schützen die Anlagen genutzt hätten und in 2016 rund 2,3 Mio. Scheiben beschossen wurden. Dem Club ginge es gut und er könne es sich leisten, zwei College-Teams zu sponsern. Er zeigt uns auch edel eingerichtete Clubräume, die für verschiedenste Events gebucht werden können.

Die einzelnen Stationen sind erstklassig hergerichtet. Alles aus massivem Holz, jede Menge Sitzgelegenheiten und Flintenständer, alles überdacht. Neben der eigentlichen Station jeweils eine Extrafläche für Rollstuhlfahrer. Ein Kurs (der anscheinend einfachere) führt einmal komplett um die kombinierten Stände, der andere ist etwas abseits angeordnet. Alles sehr übersichtlich. Larry betont, dass die Parcoursmaschinen sogar wöchentlich umgestellt würden, damit keine Eintönigkeit aufkommt. Zwischendurch immer wieder die obligatorischen Trinkwasserspender und auf halber Strecke sogar ein Toilettenhäuschen – natürlich auch rollstuhlgerecht!

An den einzelnen Stationen sind Tafeln mit den Namen derjenigen aufgestellt, die sich als Sponsoren für den jeweiligen Stand betätigt haben. Sogar der Sheriff und seine Frau sind vertreten ...

Jetzt aber zurück zum Clubhaus. Wir wollen ja auch noch ein bisschen Spaß haben. Wie versprochen liegt der Halbautomat von Bobby schon für mich bereit. Die Karte aufgeladen, Munition ausgesucht und los gehts. 

Larry bietet sich an, uns auf den ersten Stationen zu begleiten. Sicher will er sich vergewissern, ob ich denn überhaupt mit einer Flinte umgehen kann ... Gleich auf der ersten Station ein Novum für mich. Ein kleiner Teich direkt vor mir. Die „Ente“ kommt irgendwo aus dem Busch links von mir, berührt kurz die Wasseroberfläche, um dann steil von mir wegzufliegen. Peng! Spaß pur! Und die richtigen Enten auf dem Teich lassen sich davon überhaupt nicht beeindrucken. In Deutschland wohl undenkbar.

Larry lässt uns danach einfach alleine weitermachen und wünscht uns viel Spaß. Wie dort üblich, wären wir ob der weiten Wege auf dem Stand ohne Golf-... sorry! – Clay-Cart natürlich ganz schön aufgeschmissen. So ist aber alles kein Problem. Wir fahren alle 15 Stationen an. Einfache, schwere und auch verrückte Scheiben wechseln sich ab. Meine Frau steht mir wie schon so oft hilfreich zur Seite und wirft die Tauben so, wie ich möchte. Ist ja kein Wettkampf.

100 Scheiben waren zwar ein bisschen wenig, aber ich will die Geduld meiner Frau nicht strapazieren. Außerdem waren wir recht spät dran und die Crew will ja auch irgendwann Feierabend machen. Also das Cart abgestellt, die Flinte zurück ins Clubhaus und artig bei Bobby Turner und Larry Freeman verabschiedet. Ein großartiger Nachmittag geht zu Ende und wir freuen uns jetzt auf eine Dusche und dann ein saftiges Steak am Abend.

Text: H.-J. Raabe
Fotos: Autor und H. Deicke