Jonathan Butzer - Mehr als nur schäften

Der Tipp kam von einem Mitarbeiter der Firma Manfred Alberts. Er berichtete von einem jungen Büchsenmacher, der sich als Schäfter und Büchsenmacher für exklusive Waffen einen Namen gemacht hat. Da die Schäfter in Deutschland nun nicht gerade an jeder Straßenecke zu finden sind, haben wir uns auf den Weg gemacht und haben Jonathan Butzer in Bayern besucht.

Wer ist Jonathan Butzer?

Wenn man nicht aufpasst, fährt man an der Büchsenmacherwerkstatt von Jona-
than Butzer vorbei. Die Werkstatt liegt im Ortskern eines kleinen bayerischen Dörfchens mit dem Namen Geslau, in dem man nun auf keinen Fall einen Büchsenmacher erwartet.

Jonathan Butzer ist 28 Jahre alt und wuchs in einer Familie auf, in der das Holzhandwerk Tradition hat. Sein Vater ist Tischler- und Drechslermeister. Er kann also Tische mit runden Tischbeinen fertigen. Seine Mutter ist Möbeldesignerin und so hat Jonathan Butzer die Liebe zur Arbeit als Holzwurm von seinen Eltern geerbt.

In der Werkstatt der Familie Butzer waren neben dem ein oder anderen Standardauftrag immer Sonderanfertigungen ein Thema. Detaillösungen oder Designobjekte standen im Mittelpunkt. Die Liebe zum Detail und die Freude, mit Holz und Metall zu arbeiten, sind Jonathan Butzer also in die Wiege gelegt.

Mit 14 Jahren kam dann das Interesse an der Jagd und ein Auge für schöne Jagdwaffen dazu. Das war Grund genug, bei einem renomierten Büchsenmacher eine Ausbildung zum Büchsenmacher zu machen. Mit seiner Abschlussarbeit macht er dann den 2. Platz beim Bundeswettbewerb. Damit meldete Jonathan Butzer schon früh seinen Anspruch an und lässt durchblicken, in welcher Liga er mal spielen möchte bzw kann. Danach krönte er seine Ausbildung noch mit dem Meistertitel und machte sich dann als Büchsenmachermeister selbstständig.

Heute ist Jonathan Butzer leidenschaftlicher Jäger und Büchsenmachermeister mit seinem eigenen Geschäft. Er hat drei Tage in der Woche geöffnet und hat sich auf die handwerkliche Fertigung von individuellen Jagdwaffen spezialisiert. Natürlich bekommt man bei ihm auch eine Schachtel Schrotpatronen, aber das ist nicht sein Hauptgeschäft. Er ist Büchsenmacher für Spezialaufgaben und erledigt für umliegende Büchsenmacher anspruchsvolle Arbeiten, die die Kollegen aus Kapazitätsgründen oder fehlendem Know-how nicht übernehmen können.

Ein Schaft wird geboren

Zu den häufigsten Arbeiten gehört die Schaftanpassung für Bockdoppel- und für Querflinten. Eine Schaftrückenverstellung kann ebenfalls bei Jonathan Butzer bestellt werden. Diese wird dann in die vorhandene Flinte eingebaut.

In der Regel kommt der Kunde mit einer Flinte zu Jonathan Butzer und möchte einen neuen Schaft haben. Der Grund dafür kann vielfältig sein. Entweder gefällt einem der alte Schaft nicht mehr oder man trifft mit dem Schaft einfach nicht. Kauft man eine Flinte von der Stange, passt diese eigentlich nicht, so Jonathan Butzer. Man muss immer Anpassungen machen oder einen neuen Schaft anfertigen.

Der Weg zu einem neuen Schaft ist mit Jona-
than Butzer etwas ungewöhnlich. Für die gängigen Flintentypen hat er einen Standardschaft im Lager. Ob F3, DT11, 725 oder MX8, in fast allen Fällen ist ein Schaft vor Ort. Nun geht es los. Es wird geschliffen, gespachtelt, der Pitch wird geändert und der Handballen wird mit Spachtel auf den Schaft verewigt. Das ist ein zentraler Punkt, da die Hände der Kunden sehr unterschiedlich sind. Man bedenke nur den Unterschied zwischen Frau und Mann. Da liegen Welten zwischen.

Das führt dazu, dass der Kunde einen vollkommen individuellen Schaft bekommt. Die Beratung, die Erfahrung und das persönliche Gespräch mit dem Kunden lassen dann über ein paar Stunden einen Schaft entstehen, der „fast“ perfekt sitzt. Dafür ist in der Regel nur ein Termin notwendig.

Und dann schickt Jonathan Butzer den Kunden mit diesem Schaft auf den Schießstand. Er kann Wochen, ja sogar Monate mit diesem Schaft schießen, bis er sich sicher ist, dass die Maße für ihn genau richtig sind. Hat er noch Änderungswünsche? Kein Problem! Es wird solange an dem Schaft gearbeitet, bis der Kunde zufrieden ist. Erst dann beginnt die Anfertigung des richtigen Schaftes. Durch eine Dublierfräse wird der Testschaft dann auf das ausgewählte Stück Schaftholz mit allen Maßen übertragen. Selbst bei diesem Arbeitsgang kann noch eingegriffen werden, mit diversen Einstellungen kann man noch etwas Material stehen lassen oder etwas mehr wegnehmen als beim Testschaft.

Jetzt wird es exklusiv

Bis jetzt hat der Kunde einen Testschaft, der, vorsichtig gesagt, verboten aussieht. Bei der Auswahl des Holzes steht Jonathan Butzer den Kunden natürlich zur Seite. Man kann alles von ihm bekommen. Es gibt Schäfte für 25 Euro aus der Euro-Paletten-Klasse bis zum Schaft für mehrere Hundert Euro mit edlen Maserungen und ausgefallenen Farbnuancen. Der Kunde kann natürlich auch seinen eigenen Schaftrohling mitbringen. Und nun kommt die Stunde von Jonathan Butzer. Er schaut sich ein Stück Schaftholz genau an und berät, wie man es verarbeiten soll. Sollen bestimmte Maserungen hervorgehoben werden? Gib es Bereiche im Holz, die man eher nicht betonen möchte? Monogramm auf dem Pistolengriffkäppchen gefällig? Wie sieht es mit einer handgefertigten Lederschaftkappe aus? Und das Schöne ist, dass man bei Büchsenmacher Butzer mit diesen Entscheidungen nicht alleinegelassen wird. Mit viel Enthusiasmus denkt sich der junge Handwerker in die Waffe rein und berät im Sinne des Kunden. Und von diesen gibt es viele unterschiedliche. Es gibt den Fall, dass der Kunde mit einem kleinen Budget auskommen muss und trotzdem einen ordentlichen Schaft haben möchte, und es gibt natürlich auch den Fall, dass Geld eine eher untergeordnete Rolle spielt. In allen Fällen bekommt man einen perfekt sitzenden Schaft, der optisch was hermacht.

Finishing

Ob günstig oder edel, in allen Fällen legt Jonathan Butzer sehr viel Wert auf die Oberflächenbearbeitung. „Besser ein günstiges Holz mit einer guten Oberfläche als ein tolles Holz mit einer schlechten Oberfläche“, so Butzer. Der Vorteil von einem hochwertigen Holz ist jedoch, dass es sich viel einfacher verarbeiten lässt und um einiges stabiler ist als günstige Rohlinge. Gerade bei Schäften mit dünnen Bereichen, wie z. B. bei der englischen Schäftung, muss man sehr darauf achten, dass man keine Sollbruchstelle produziert. Es kann sogar notwendig sein, dass man ein Stück knüppelharten Birnbaum im Schaft verarbeitet, um die Stabilität zu gewährleisten. Um all diese Dinge kümmert sich Jonathan Butzer.

Alte oder neue Flinte?

Da stellt sich die Frage, wer braucht überhaupt einen Maßschaft? Wann ist es sinnvoll, sich mit einem Maßschaft zu beschäftigen? Laut Jonathan Butzer sollte jeder, der regelmäßig mit der Flinte sportlich oder jagdlich unterwegs ist, über einen Maßschaft nachdenken. Dass der Schaft von der Stange passt, ist unwahrscheinlich, da die Anatomie der Schützen so unterschiedlich ist, dass man die unterschiedlichen Körpermaße mit vier Standardschäften nicht abdecken kann.

Und dann ist es letztendlich auch egal, ob man eine neue Flinte kauft oder mit großem Tamtam die Flinte vom Großvater überreicht bekommt. Sie wird wahrscheinlich nicht passen. Und wenn sie nicht passt, wird man schlecht treffen. Sicherlich gibt es Talente, die mit jeder Flinte treffen, aber wer sportlich unterwegs ist und um jede Wurfscheibe kämpft, kommt langfristig um einen Maßschaft oder einen angepassten Schaft nicht herum.

Es ist aber auch logisch, dass die Flinte vom Großvater nicht passen kann. Der gute Mann hatte eine stattliche Größe von 1,95 Meter und lag deutlich über 100 Kilogramm. Er feierte halt gerne und konnte was am Glas. Der Sohnemann ist aber nur 1,80 Meter und ist neben dem Wurfscheibensport noch Triathlet und wiegt nur etwas über 70 Kilogramm. Das kann nicht passen. Es ist sogar infrage zu stellen, ob die Flinte dem Opa überhaupt gepasst hat, wen er diese nicht hat schäften lassen. Handelt es sich aber nun um eine wunderschöne B25, die noch nicht soviele Schießkilometer runter hat, wäre es doch zu schade, diese wunderbare Waffe im Waffenschrank auf ewig zu parken. Die Alternative wäre eine Neuanschaffung. Für eine ordentliche Flinte gibt man dann schnell schon mal 3.000 Euro und mehr aus. Da ist man bei Jonathan Butzer günstiger unterwegs. Ein Maßschaft kostet bei ihm 1.500 Euro. Das ist mal ein Wort. Und da ist ein Stück Schaftholz dabei. Das ist dann natürlich aus der untersten Schublade, aber auch damit wird man die Tauben treffen. Legt man ein paar Hundert Euro drauf, bekommt man schon einen richtig schicken Schaft. Hat man dann immer noch Budget zur Verfügung, kann man sich eine Lederschaftkappe, Ebenholzkäppchen und andere „Schweinereien“ fertigen lassen. Man könnte ja mal über einen Abzugsbügel mit einem Monogramm nachdenken.

Und das Schöne ist, das Jonathan Butzer nicht nur Schäfter, sondern Büchsenmacher ist. Wenn die B25 also noch kleine Blessuren hat oder der Verschluss nicht mehr ganz dicht ist, kann auch hier Abhilfe geschaffen werden. Wenn man die Waffe wiederbekommt, sieht diese aus wie neu, ist aber vom Großvater. 

Problemlösungen

Neben den „normalen“ Aufträgen kümmert sich Jonathan Butzer auch um Sonderanfertigungen. Vor einiger Zeit kam ein Schütze zu ihm, dem an der rechten Hand der kleine Finger und der Ringfinger fehlte. Das Problem war, dass er ohne diese beiden Finger die Flinte schlecht halten konnte und ihm die Stabilität beim Schießen fehlte. Gemeinsam mit dem Schützen entwickelte Jonathan Butzer einen Daumenschaft, der dem Schützen nun die Möglichkeit gibt, wieder die größtmögliche Kontrolle über seine Flinte zu bekommen.

Es gibt eine ganze Reihe von diese Problemlösungen, die Jonathan Butzer in seiner kurzen Zeit als selbstständiger Büchsenmachermeister mit dem Kunden umgesetzt hat.

Wermutstropfen: Die Zeit

Wenn man bei Jonathan Butzer einen Schaft in Auftrag gibt, muss man ein wenig Zeit mitbringen. Das liegt nicht daran, dass er so langsam arbeitet, sondern an der Tatsache, dass ein optimaler Schaft mit einem hochwertigen Finishing einfach seine Zeit braucht. Selbst ein Standardschaft wird in der Werkstatt von Jonathan Butzer mindestens 15-mal lackiert oder geölt. Und dann muss man bei jedem Arbeitsgang warten, bis das Material getrocknet ist, bevor man den nächsten Schritt in Angriff nehmen kann. Drei Monate gehen da schnell ins Land. Hat man dann noch ein paar Extrawünsche, kann es auch noch länger dauern. Aber gut Ding braucht Weile.

Resümee

Der Besuch bei Jonathan Butzer hat Spaß gemacht. Wir haben einen jungen Büchsenmachermeister getroffen, der dieses wunderbare Handwerk mit Leib und Seele verkörpert. Starallüren oder ein Naserümpfen über kleine Budgets vermisst man glücklicherweise. Er holt jeden Kunden da ab, wo er steht. Wir freuen uns über einen neuen Stern am Schäfterhimmel. Und das in einer Zeit, in der die großen Schäfterlegenden wie Geri & Co. auf der Zielgeraden in den Ruhestand sind.

Aber Vorsicht: Jonathan Butzer ist ein Verführer. Man geht aus der Werkstatt und denkt: „Habe ich gerade wirklich Seitenplatten bestellt?“ Ich habe immer gedacht, ich brauche so etwas nicht. Egal, es sieht toll aus und das macht man ja nicht jeden Tag.

Text und Fotos: Dominik Allartz