Der Herr der Hölzer

Matthias Kaa

Eine alte B25 vom Opa geerbt? Die Waffe ist ein Traum, aber der Schaft passt nicht? Wir haben Matthias Kaa im Allgäu besucht. Er ist Holzhändler für Schaftholz und hat ein Lager mit ca. 5.000 Schafthölzern vor Ort in Isny.

Wer ist Matthias Kaa?

Matthias Kaa ist gelernter Zimmermann und war zum Anfang seiner Berufskarriere für den Aral-Konzern als Bauleiter tätig. Danach hat er für die Stadt Kempten als Fachmann für Altholzrestauration gearbeitet. Im Anschluss wollte Matthias Kaa eine Zimmerei eröffnen. Aber wie es der Zufall wollte, begegnete Matthias Kaa Gerhard Blenk, der damals Inhaber und Geschäftsführer der Firma Blaser war. Relativ schnell wurde Matthias Kaa Leiter der Schäfterei und richtete für Blaser einen eigenen Holz-
einkauf ein, der bis dahin nur über Zwischenhändler stattfand. Gleichzeitig wurde für Blaser in Bulgarien eine Schäfterei aufgebaut. Matthias Kaa senkte die Einkaufspreise und steigerte die Qualität. Das machte sich natürlich wirtschaftlich bemerkbar, denn für exklusive Waffen ist der Holzpreis schon ein nicht zu vernachlässigender Faktor, der letztendlich den Preis mitbestimmt. Nach 20 Jahren verließ Matthias Kaa Blaser und gründete 2009 sein eigenes Unternehmen. Seitdem kauft Matthias Kaa direkt vor Ort Holz ein und verkauft an Firmen, Büchsenmacher und private Kunden Schafthölzer in allen Qualitätsklassen.

Was mach ein gutes Schaftholz aus?

Gute Schafthölzer, so Matthias Kaa, müssen luftgetrocknet sein und dürfen auf keinen Fall in Trockenschränken oder ähnlichen Anlagen „vergewaltigt“ werden. Die Hölzer können sich auch nach dem Schäften verformen, da sich bei zu schneller Trocknung die Zellstruktur ändert. Bei Matthias Kaa werden noch alle Schafthölzer, je nach Feuchtegehalt, zwischen zwei und vier Jahre nachgetrocknet. Das passiert erst in Matthias Kaas Sägewerk in Armenien und zum Schluss auch in Isny im Allgäu, wo die Hölzer bis zur Auslieferung lagern. Hochwertige Hölzer der Spitzenklasse werden allerdings direkt nach Isny transportiert. Sonneneinstrahlung, Hitze und Feuchtigkeit können auch hochwertigen Hölzern noch nachträglich zusetzen. Um das zu vermeiden und ein besonderes Augenmerk auf die wertvolleren Hölzer zu haben, werden sie direkt nach Isny transportiert.

Matthias Kaa verkauft ausschließlich Walnussholz (Juglans regia) aus dem Iran und Tadschikistan. Er fährt in die entsprechenden Regionen und schaut sich jeden Baum genau an, der zum Verkauf angeboten wird. Mittlerweile kann Matthias Kaa am Baum außen erkennen, wie die Struktur innen im Baum beschaffen ist. Beispielsweise klammert er Bäume, die am Hang gewachsen sind, generell aus. Diese Bäume weisen oft Windrisse im Innerern auf, was man natürlich erst sehen kann, wenn der Baum gefällt und aufgeschnitten ist. Der Baum sollte ein Alter zwischen 300 und 500 Jahre haben und muss von den Behörden vor Ort zur Ernte freigegeben sein. Die Behörden geben einen Baum allerdings erst frei, wenn dieser die Frucht zurücksetzt. Bezahlt wird an den Besitzer des Baumes. Das sind in der Regel mehrere Familien, denen nicht mal das Land gehört, auf dem der Baum steht. Alle Bäume, die Matthias Kaa kauft, sind wild gewachsen und stehen auf keiner Plantage.

Der ganze Baum wird verwertet. Jeder Baum enthält Abschnitte mit unterschiedlichen Holzqualitäten, von minderwertiger bis hochwertiger Qualität ist alles dabei, auch liegen die schönsten Stücke manchmal richtig versteckt. Matthias Kaa will den ganzen Baum nutzen, daher findet man bei ihm alles vom 08/15-Schaft der Sperrholzklasse bis zum hochpreisigen seltenen Objekt aus dem Wurzelstock.

Da es seit ein paar Jahren ein Gesetz in Deutschland gibt, das besagt, dass man für jedes Schaftholz dessen Herkunft nachweisen muss, hält Matthias Kaa sich selbstverständlich daran und kann die Nachhaltigkeit seiner Hölzer garantieren. In den Jahren vorher war das Land, in dem das Holz verarbeitet wurde, das Herkunftsland. Somit wurden Hölzer, die in Armenien zu Schafthölzer gesägt wurden, Hölzer mit armenischer Herkunft, auch wenn diese im Iran gewachsen sind. Das hat sich vor ein paar Jahren geändert und Hölzer, die im Iran oder in Tadschikistan gewachsen sind, müssen auch als solche deklariert werden. Erstaunlicherweise können Fachleute der Behörden in Deutschland anhand der Zusammensetzung der Mineralien die Herkunft der Hölzer auf einen Umkreis von 30 km genau bestimmen. Unglaublich – aber wahr.

Letztendlich bestimmt natürlich die Struktur des Holzes den Preis. Da spielt der Geschmack des Kunden, aber auch der aktuelle Trend ein Rolle. Vogelaugen oder feine Linien im Holz sind da die Renner bei den, Büchsenmachern.

Wer sind die Kunden?

Die großen Waffenbauer nehmen natürlich auch große Chargen der Schafthölzer ab.  Aber es gibt auch den Privatmann, der sich bei Matthias Kaa immer wieder eindeckt. „Hast Du was da? Du weißt doch, was ich suche“, so zitiert Matthias Kaa einen Kunden. In den meisten Fällen ist das Holz schon vor der Waffe oder sogar noch vor der Idee im Besitz der Kunden. Viele Privatleute legen sich regelrecht einen Vorrat an edlen Hölzern an. Es gibt aber auch so etwas wie eine Mode. Trendsetter sind da die großen Hersteller und ihre Marketingabteilungen. Wenn diese Schafthölzer mit Vogelaugen zeigen, setzen sie damit gewollt oder ungewollt einen Trend in der Schäfterszene und bei den Kunden.

Mittlerweile geht der Schaftholzverkauf auch über die neuen Medien. Privatkunden und Büchsenmacher schicken Matthias Kaa zum Beispiel per WhatsApp Abbildungen von Waffen oder Schafthölzern und er sucht dann aus seinem Lager die passenden Hölzer heraus, benetzt diese mit Alkohol, um die Struktur sichtbar zu machen, und schickt dann mehrere Fotos der Hölzer zur Auswahl zurück. Der Kunde kann daraus seine Wahl treffen. Bei einem verrtauensvollen persönlichen Kontakt werden auch zwei oder drei Varianten per Post verschickt. So kann der Kunde dann mit dem Schäfter seines Vertrauens eine Auswahl treffen.

Es ist oft der Fall, dass Kunden eine Flinte oder Büchse vom Vater oder Großvater vererbt bekommen und diese wieder in neuem Glanz erstrahlen soll. Aus Erfahrung passt bei einem Erbstück der Schaft in aller Regel nicht. Ein neuer Schaft aus schönem Holz von Matthias Kaa in Verbindung mit einem talentierten Schäfter erweist sich oft günstiger, als eine neue Waffe zu kaufen, gerade wenn man mit dem Erbstück besondere Erinnerungen verbindet.

Was muss man ausgeben?

Das ist dann oft die Frage aller Fragen. Was würde mich ein Schaftholz bei Matthias Kaa kosten? Am unteren Ende fängt man bei einem einfachen Schaft mit 25 Euro (in Worten: fünfundzwanzig) an. Ein guter Schaft aus dem Kern des Baums liegt bei ca. 50 bis 150 Euro je nach Beschaffenheit. Wenn man dann was exklusives haben möchte, muss man natürlich tiefer in die Tasche greifen. Ein richtig individuelles und schickes Schaftholz kann bei Matthias Kaa dann auch schon mal über 1.000 Euro kosten. Da ist man allerdings schon an der oberen Grenze angelangt.

Rechnet man nun noch den Schäfter dazu, liegt man in der Regel immer unter dem Preis für die Anschaffung einer neuen Waffe. Das macht dann Sinn, wenn das alte Stück noch technisch in Ordnung ist. Man hat wirklich eine individuelle Anfertigung, die eine eigene Geschichte hat. Wer diesen Weg bis heute noch nicht ausprobiert hat, dem ist ans Herz gelegt, sich auf den Weg ins Allgäu zu machen und Matthias Kaa zu besuchen. Er und seine Riesenauswahl an Schafthölzern machen es einfach, seinen passenden Favoriten vor Ort zu finden. Matthias Kaa kennt sie alle ...

Text und Fotos: Dominik Allartz