Bill McGuire: Das Prinzip Leistung durch Spaß

Das Thema „Flintentrainer“ wird bei uns in Deutschland, Österreich und in der Schweiz entweder heiß diskutiert oder aber ignoriert. Eigentlich sollte für ambitionierte Schützen das Trainieren mit einem professionellen Trainer an der Tagesordnung sein. Für Golfer, Tennisspieler oder Reiter ist es vollkommen normal, Trainerstunden zu nehmen. Bei den deutschen Flintenschützen tut man sich da schwerer. Ich durfte zwei Stunden mit Bill McGuire trainieren. Und? Hat es was gebracht?

Der Trainer

Das erste Mal, dass ich Bill McGuire traf oder sagen wir besser sah, war in Dubai. Da ich mit dem Finale nichts zu tun hatte ;-), konnte ich mir die letzten Runden des fantastischen Turniers von der Tribüne anschauen. Schon damals fiel mir die minimalistische und unbeschwerte Art des Schießens auf, mit der Bill McGuire den zweiten Platz für sich entscheiden konnte. Nur Derrick Mein war mit 189 von 220 besser als Bill. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich mal die Möglichkeit bekomme, mit Bill McGuire zu trainieren, hätte ich ihn schlichtweg für einen Spinner gehalten.

Die Basis für sein Talent liegt mit Sicherheit darin, dass Bill schon mit acht Jahren anfing, mit seinem Vater zu jagen und somit auch zu schießen. Der Start seiner Karriere als Flintenschütze begann aber erst 1996, als er eher durch Zufall von einem Bekannten gefragt wurde, ob er nicht Lust hätte, mal mit zum Tontaubenschießen zu kommen. Im Jahr 2000 widmete er sich dann mit 40 Jahren ganz dem Schießsport. Ab da ging es dann rasant als Trainer und Leistungsschütze bergauf. Heute steht er in der FITASC-Weltrangliste auf Platz 27 und kann unzählige Erfolge für sich verbuchen. Über 100 nationale und internationale Meisterschaften gewann Bill McGuire und somit kann er nicht nur anderen Schützen die Schießtechnik näherbringen, sondern auch viel über Wettkampfsituation und Psychologie im Wettbewerb mitgeben.

Die Chance nutzen

Es war eine unscheinbare E-Mail aus dem Hause Blaser, in der stand, dass man die Möglichkeit hätte, mit Bill McGuire zu trainieren. In Deutschland habe ich schon mit vielen Flintentrainern trainiert, aber mit einem Amerikaner hatte ich bis dato noch nicht gearbeitet. Dazu kam, dass Bill McGuire zum Blaser Cup in Coesfeld anreiste, was für mich nur eine gute Stunde Autofahrt bedeutete. Ich hätte aber auch deutlich weitere Strecken auf mich genommen, um die Chance zu nutzen, mit Bill zu trainieren.

Der erste Schuss

Ich hatte eigentlich angenommen, und so hatte ich auch die E-Mail verstanden, dass ich in einer kleinen Gruppe mit Bill McGuire trainiere. Dem war nicht so. Ich hatte zwei Stunden Einzelunterricht, was natürlich großartig war. Nachdem man sich bei einer Tasse Kaffee kennengelernt hatte, ging es dann auf den Schießstand. Ich muss ehrlich sagen, ich war etwas nervös, da ich nun nicht zu den besten Schützen in Deutschland gehöre und Sorge hatte, mich als Herausgeber dieser Zeitschrift bis auf die Knochen zu blamieren.

Bill fragte mich, was ich machen möchte, und ich zuckte mit den Achseln. Dann gestand ich, dass ich oft Probleme mit fallenden Tauben hätte, beispielsweise beim Thiel, wenn der erste Schuss nicht trifft. Bill nickte und sagte, er würde erst mal ein paar Tauben drücken, um zu schauen, was ich so an der Flinte mache. Bill drückte die erste Taube und ich schoss. Zum Glück traf der erste Schuss und die folgenden Tauben traf ich auch. Ein sattes amerikanisches „GREAT“ kam über Bills Lippen und er sagte, dass ich sehr gut schießen würde. Naja, das war vielleicht etwas geschmeichelt.

Das Prinzip Spaß

Es war geschmeichelt, denn als meine Problemtauben kamen, sah es dann nicht mehr so gut aus. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, bekommt man bei Fehlschüssen nur Kommentare wie „Du musst schneller werden“, „Versuche mal dies!“ oder „Versuche mal das“.

Bei Bill war es anders. Man schießt daneben und Bill sagt, man hätte das schon ganz großartig gemacht. Es braucht nur noch ein bisschen, um zu treffen. Das motiviert und hält bei Laune. Selbst wenn mehrere Schüsse an den Tauben vorbeigehen und man verzweifelt, vermittelt Bill einem den Eindruck, dass nur noch eine Kleinigkeit bis zum perfekten Schuss fehlt. Es gibt keine Kritik, sondern nur Lob und Tipps, wie man sich verbessern kann. Ein „Das ist Falsch“ oder „Ich habe Dir das doch gerade anders erklärt“, wie man es auf deutschen Schießständen schon mal öfter zu hören bekommt, ist für Bill ein No-Go. Leistung durch Spaß am Trainieren ist das Prinzip.

Wer jetzt glaubt, dass der ganze Nachmittag eine Spaßveranstaltung ist, täuscht sich. Bill lobt den Schützen, aber fordert immer noch ein bisschen mehr. Das merkt man anfangs kaum und man ist selber der Meinung, dass das ja zwei nette Stunden werden. Loben und Verbessern ist das Prinzip, was den Schützen zwar bei Laune hält, aber über eine Einheit von zwei Stun-den sehr anstrengend ist.

Die fallende Taube

Wir haben über zwei Stunden viele Situationen und Varianten geschossen. Irgendwann kam dann auch meine Problemtaube an die Reihe. Bill ließ mich mit nur einem Schuss auf eine fallende Taube, kurz bevor sie den Boden berührten, schießen und analysierte, was ich machte. Ich traf nicht eine einzige Taube. Es sagte, dass ich das wunderbar mache. Ich müsste nur noch eine Kleinigkeit machen, um die Taube zu treffen. „Lass die Taube in Deine Führhand fallen und wenn Du meinst, du könntest sie über die Entfernung fangen, schießt Du!“ Ich war skeptisch, da das alles infrage stellte, was ich bisher von anderen Schützen und Trainern zu dieser Art von Tauben gehört hatte. Einen Meter drunter halten oder durch die Tauben von oben durchziehen, waren bisher die Tipps, die ich bekommen hatte. Aber die Taube in meine Hand am Vorderschaft fallen zu lassen und wenn man glaubt, man könnte die Hand schließen, um die Taube zu fangen, schießt man, hatte ich noch nicht gehört.

Der erste Versuch misslang und der zweite auch. Dann klappte es immer besser und ich fing an zu treffen. Ich erwischte die Tauben noch einen halben Meter, bevor sie auf den Boden fielen. Bill lobte mich wieder und sagte, dass ich ja nur eine Kleinigkeit geändert hätte. Das stimmt natürlich nicht. Ich schieße diese Art von Tauben heute nach einem völlig neuen Prinzip, welches Bill mir in den Kopf geflüstert hat, ohne dass ich es gemerkt habe. Er hat nicht wie manch anderer gesagt: „Nun vergiss mal alles, was Du bisher gelernt, hast und jetzt zeig ich Dir mal, wie es geht.“

Was macht der Meister?

Zwischen den Übungen hatte ich immer wieder die Möglichkeit, mit Bill zu reden und ihm ein paar Fragen zu stellen. Ich wollte natürlich wissen, mit welcher Technik er so erfolgreich wurde und noch ist.

Er sagte mir, dass er grundsätzlich die Tauben in drei Kategorien einteilt. Der Schlüssel ist die Entfernung. Es gibt für ihn kurze, normale und weite Tauben. Für jede Kategorie gibt es grundsätzlich eine andere Technik. Bei kurzen schnellen Tauben schießt er „Point and Shoot“. Bei normalen Tauben benutzt er die Methode „Swing
Through“ und bei weiten setzt er auf „Maintain Lead“. Das kann aber auch schon mal variieren. Somit muss man sich nicht auf eine Technik festlegen, sondern nutzt das, was man in der Situation für richtig hält. Auf die Frage, ob ich das auch machen soll, antwortete er: „Nicht unbedingt. Mache, was Dir am besten zusagt. Im Prinzip kann man fast jede Taube mit jeder Technik schießen. Aber man muss sich nicht festlegen.“

Der Schlüssel liege, so Bill McGuire, in dem Lesen der Tauben und darin, dass man sich so wenig bewegt, wie es eben geht. Viel Bewegung bedeutet viele Fehlerquellen. Wenn man erkennt, wie weit die Taube von einem entfernt ist, und die Flugbahn einschätzen kann, hat man schon die halbe Miete. Dann kurz und unaufgeregt schießen und es sollte klappen. Wenn nicht – egal, und auf den nächsten Schuss konzentrieren. Auch das muss man lernen. Gerade im Wettkampf ist es wichtig, sich nicht von ein paar Fehlschüssen verrückt machen zu lassen. Das kenne ich nur zu gut. Man schießt dreimal daneben und fängt an, sich das Hirn zu zermatern, was los ist. Das wirkt sich dann wieder negativ auf die nächsten Schüsse aus und man kommt in eine Abwärtsspirale.

Hat es was gebracht?

Die Frage ist falsch. Es bringt immer etwas, mit einem Profitrainer zu trainieren. Die beiden Stunden mit Bill McGuire waren für mich ein weiterer Schritt, um meine Leistung zu verbessern. Das Prinzip „Leistung durch Spaß“ hat mir sehr gut gefallen und mit Bill McGuire zu trainieren, war mir eine Ehre. Er bringt seinen Schülern das Wurfscheibenschießen mit einer Leichtigkeit bei, die absolut erwähnenswert ist. Er verzichtet vollkommen auf den schroffen Kasernenton, den man häufig in den Jagdkursen beim Flintenschießen erleben muss. Das Ergebnis ist dennoch hervorragend und ich bin mir sicher, dass ich viele Tipps in der Zukunft umsetzen kann.

Text: Dominik Allartz
Bilder: Markus Gemeinder Fa. Blaser