Ein neuer Stern am Trainerhimmel

Ausbildung

Wer in Deutschland Schießunterricht nehmen möchte, um seine Fertigkeiten als Wurfscheibenschütze zu verbessern, hat nicht viel Auswahl. Es gibt zwar auf jedem Stand einen Sack voll Schützen mit vielen Ratschläge, aber einen Schießlehrer mit einem wirklichen Konzept findet man eher selten.

Für das jüngere Publikum
Wir haben Julia Schmid zuerst in einer Zeitungsanzeige der Jagdschule „Jagdzentrum Oberberg“ in Radevormwald gefunden. Im ersten Moment haben wir uns nicht viel dabei gedacht, aber dann sahen wir, daß Julia Schmid auch Flintentraining für Sportschützen und Jäger gibt. Wir haben dann natürlich erstmal gegoogelt und herausgefunden, dass sie nicht nur Schießtrainerin ist, sondern auch Besitzerin der Jagdschule ist. Ein Grund mehr, mit ihr Kontakt aufzunehmen.

Wo trifft man sich unter Flintenschützen? Natürlich auf dem Schießstand! In Coesfeld-Flamschen hatten wir die Gelegenheit Julia Schmid kennenzulernen. Da wir etwas zu früh waren, konnten wir die Schießtrainerin in Aktion sehen.

Mit zwei weiteren Damen war Julia Schmid zugange. Ruhig und locker gab sie ihren Schülerinnen immer wieder Tipps zu Haltung, Fußstellung und Bewegung. Man konnte direkt merken, dass zwischen Schülerin und Trainerin ein Vertrauensverhältnis besteht und somit die Tipps auch schnell umgesetzt werden. Zum Schluss des Trainings trafen die beiden Schülerinnen fast alle Tauben.

Nach dem Training fragten wir die beiden Flintenschützinnen, warum Sie mit Julia Schmid trainieren und ob es eine Rolle spielen würde, dass sie eine Frau ist. Beide schüttelten den Kopf und gaben uns zu verstehen, dass es nicht an dem Geschlecht, sondern an der Art und Weise liegt, wie Julia Schmid das Flintenschießen vermittelt.

Wir haben dann ein paar Runden mit Julia Schmid geschossen und nachdem ich die ersten Tauben gefehlt habe, klappte es ganz ordentlich und eine Blamage blieb aus. Julia Schmid schoss mit ihrer Beretta DT 11 samt TSK-Schaft souverän, obwohl sie diese Kombination noch nicht trainieren konnte. Zum Schluss hatten wir noch Zeit, ein paar Simultandoubletten zu schießen, was den ganzen Tag abrundete.

 

Wie ist die Herangehensweise

Julia Schmid stülpt keinem Schüler ein vorgefertigtes Konzept über. Sie schaut sich die Schützen an und überlegt wie man starten kann. Zuerst muss die Flinte passen, denn sonst trifft man nicht zuverlässig. Natürlich kann man auch mit einer schlecht sitzenden Flinte treffen, aber das ist dann laut Julia Schmid eher Trickschießen. Dann kommt die richtige Haltung und der Anschlag. Wer die Wange nicht an den Schaft nimmt, wird wenig Erfolg haben. Wenn dann noch die Fußstellung passt, hat man die besten Grundlagen, um einen erfolgreichen Schuss abzugeben. Natürlich muss der Schwung und das Timing stimmen, aber das kommt dann schnell dazu, wenn man die Grundlagen immer wieder beherzigt.

Welche Fehler macht man?

Am häufigsten trifft Julia Schmid auf mangelnde Selbstsicherheit oder Hochmut. Beides ist für den sicheren Flintenschuss nicht zuträglich. Der zweite Punkt, der oft zu Fehlschüssen führt ist, dass die Schülerinnen und Schüler nicht die Kopf an den Schaft legen und somit nicht sauber über die Schiene schauen. Als weiteren Punkt führt Julia Schmid die Augendominanz an. Es gibt immer noch Trainer oder Schießhelfer, die das Thema komplett mißachten und somit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Frust produzieren. Und ist man erstmal frustriert, kommt man in eine Spirale, aus der man häufig nicht mehr ohne Hilfe herauskommt. Da hilft nur professionelle Hilfe von einer Schießlehrerin oder Schießlehrer.

Wie geht es weiter

Julia Schmid ist mir ihren 32 Jahren schon weit gekommen. Die gelernte Juristin hat aber noch viel vor. Sie wird in diesem Jahr mehrere Male nach England fliegen, um die CPSA-Ausbildung zu machen und hoffentlich als Senior-Coach abzuschließen. Mit den Erkenntnissen aus England möchte sie dann ihr Konzept erweitern und sich danach auch weiterhin fortbilden, denn Stillstand ist Rückschritt. Wir freuen uns, einen neuen Stern am Trainerhimmel begrüßen zu können.

 

Text und Fotos: Dominik Allartz