Airbrush für Flinten

Bisschen Farbe gefällig? Warum nicht – die Extravaganz für den grauen Schießstandalltag.

Extravaganz – was ist das? Wie geht man damit um? Extravaganz bezeichnet das, was aus dem Rahmen fällt. Extravaganz kommt vom Französischen „ex-
travagant“, was „außergewöhnlich“ heißt. Dieses kommt vom Lateinischen „extra“ und „vagari“, also außerhalb umherschweifen. Extravaganz bezeichnet also all das, was außerhalb der Norm liegt.

Extravaganz kann den Charakter und das Verhalten eines Menschen bezeichnen. Extravaganz kann auch für konkrete Handlungen stehen. Irgendwann will man die Extravaganzen eines anderen nicht mehr dulden oder man kann sich seine eigenen Extravaganzen oder die des Partners nicht mehr leisten. Der Mensch lebt in der Polarität: Auf der einen Seite möchte er dazugehören – auf der anderen Seite möchte er außergewöhnlich sein. Bei manchen Menschen überwiegt der eine Pol, bei manchen der andere. Die meisten lavieren zwischen Normalität und Extravaganz.

Zu diesen Extravaganzen zählt vielleicht auch diese Classic-Doubles-M92-BDF-Flinte aus den 1990er-Jahren mit ihrer sehr auffälligen Lackierung. Gebaut wurde diese Flinte bei Marocchi für den Export, die Lackierung mit Airbrush kommt von einem Künstler aus den Niederlanden.

Airbrush (englisch für „Luftpinsel“) bezeichnet eine kleine Variante einer Spritzpistole, welche nur etwas größer als ein Kugelschreiber ist. Häufig wird aber auch die Maltechnik mit einer Airbrushpistole beziehungsweise das entstandene Gemälde als Airbrush bezeichnet, sodass es schnell zu Begriffsverwirrungen kommt. Im Folgenden wird daher das Wort Airbrush in Kombination mit weiteren Worten wie „Pistole“, „Technik“ oder „Design“ verwendet.

Die Maltechnik mit der Airbrushpistole findet beispielsweise im Modellbau, beim Nageldesign, Bodypainting, für Make-up und in der grafischen Kunst Anwendung. Sie erlaubt es, feinste Farbverläufe zu erstellen, was eine Grundvoraussetzung für die fotorealistische Malerei ist. Aber auch das Erzeugen gleichmäßiger Flächen ist mit der Airbrushpistole möglich.

Bei der Lackiertechnik wird das Medium (Farbe) normalerweise „Nass in Nass“ aufgetragen. Das bedeutet, es wird so viel Farbe aufgetragen, dass die Oberfläche in sich zerfließt. Ein Problem hierbei ist, dass Tränen oder Nasen (Läufer) entstehen, sobald zu viel Farbe aufgetragen wird. Diese Technik hat den Vorteil, dass hochglänzende Oberflächen erzeugt werden können. Die verbreitetste Airbrushfarbe ist eine Farbe auf Acrylbasis. Acrylfarben trocknen wasserfest, aber nicht kratzfest auf. Kratzfest werden diese Farben erst durch einen Überzug von Klarlack (Quelle: Wikipedia), wie z. B. bei unserer Flinte.          

In Deutschland findet man die Classic Doubles M92 nicht so oft, dafür mehr in England, wo sie sehr beliebt war und immer noch ist. Es ist eine gute Gebrauchsflinte mit einem stabilen Verschluss. Die Marocchi verriegelt mit einem massiven Keilverschluss, der an die Verriegelung der legendären Browning B 25 erinnert und sich millionenfach bewährt hat.

Auch beim Abkippen und Schließen zeigt sich, dass die bei Marocchi gebaute Flinte mit guten Toleranzen gefertigt wurde. Man merkt bei der Classic Doubles M92 die saugenden Passungen auf jedem Millimeter. Und wer sich daran erfreuen kann, wenn ein Verschluss beim Zuklappen dieses satte Schmatzen von sich gibt, kommt bei ihr, trotz ihres Alters, voll auf seine Kosten. Die Abzugswiderstände sind noch hervorragend. Das Züngel hat einen leichten Vorzug von etwa 1,5 Millimetern, danach steht der Abzug aber sehr trocken. Der Abzug hat noch was Interessantes, er kann ohne Werkzeug in der Länge verstellt werden. Dazu drückt man den dort angebrachten Knopf und verschiebt das Abzugszüngel in die gewünschte Position. Die Läufe, wie eigentlich die ganze Flinte, machen noch einen sehr guten Eindruck.

Einzig die Lackierung ist schon sehr auffällig, aber warum nicht, gönnen wir anderen ruhig ihre kleinen Extravaganzen ... zumal neuerdings auch Spitzenschützinnen wie Amber Hill sich ihre Flinten mit Airbrush verschönern lassen.

Text und Fotos: Thorsten Heine
Quelle Foto Amber Hill: Instagram