Fünf Tage Begeisterung pur

Zum Flintenschießen nach England

Nach ersten Erfahrungen mit der englischen CPSA-Methode bei Detlef Riechert kam bei uns bald der Wunsch auf, einmal mehrere Tage am Stück unter Anleitung zu trainieren. Die Frage war: wo kann man das? Ein Besuch der englischen Webseite des Verbandes CPSA brachte schnell Antworten. Sehr übersichtlich sind hier, nach Regionen und ihrem Ausbildungsstand geordnet, alle CPSA-Trainer mit Kontaktadressen aufgelistet.

 

Sechs Urlaubstage standen uns zur Verfügung. Am Meer sollte es sein und die Anreise nicht zu lange dauern. Schnell hatten wir uns für die „Deal & Sandwich Shooting School“ im Südosten der Insel entschieden. Auf eine erste Kontaktaufnahme per E-Mail folgte ein ausführliches Telefonat mit Barry Gibb, dem Inhaber der Schule. Wir vereinbarten fünf Vormittage Privatunterricht bei ihm. Ein Hotel war schnell gebucht und so machten wir uns vier Wochen später, bepackt mit Flinten, Feuerwaffenpass und „Shotgun Permit“ auf nach England. Nach 20-minütiger Autofahrt vom Fährhafen Dover waren wir da. Vor uns lag ein altes Farmhaus im Marschland, nur durch einen „königlichen“ Golfplatz von der Küste getrennt. Daneben standen Pferde, es gab Schafe; frei laufende Gänse versuchten, das Grundstück zu verteidigen. Von einem Schießstand war weit und breit nichts zu sehen. 

Ein freundlicher älterer Herr mit Vollbart, Krawatte und Schießweste begrüßte uns herzlich und öffnete uns das Tor. Barry Gibb ist CPSA Senior coach, 71 Jahre jung und seit etwa 50 Jahren mit der Flinte verheiratet. Er führte uns durch eine hohe Schilfhecke, dahinter lagen zwei Skeetplätze im offenen Gelände. Kein Schutzwall weit und breit, nur Felder, Weiden und Marschland. Dass die Bleie hier auf Nachbars Wiese fallen, stört hier niemanden, solange dieser nichts dagegen hat. Als erstes wollte Barry uns kennenlernen und sehen, welchen Ausbildungsstand wir hatten. Aufmerksam beobachtete er uns, wie wir unsere Flinten auspackten, handhabten und unsere ersten Tauben schossen. „Okay, dann kommt mal rein auf eine Tasse Kaffee, es gibt einiges zu besprechen“, sagte er freundlich und ging in seinen Schulcontainer voraus. Höflich und immer lächelnd erklärte er uns, dass wir einiges an Arbeit vor uns hätten in den nächsten fünf Tagen. Am Anfang stand die ausführliche „safety lesson“. Wer meint, diese Sicherheitsunterweisung überspringen zu können, wird bei Barry niemals schießen dürfen. Gerade weil man sich in England mit der Flinte relativ frei bewegen darf, ist der Umgang mit der Waffe streng geregelt: Schon im Futteral wird beim herausnehmen der Flinte diese geöffnet, sie wird immer im T-Griff getragen, sodass alle anderen Schützen die leeren Patronenlager sehen können. Das Tragen der Flinte über der Schulter wird als respektlos den anderen Schützen gegenüber gesehen, da hierbei die Patronenlager nicht immer einsehbar sind.

In den nächsten Tagen absolvierten wir ein ausführliches Training. Für jeden von uns beiden hatte er unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Stand beim einen der saubere Anschlag im Vordergrund, so ging es beim anderen um den flüssigen Ablauf der Bewegungen. Jeder einzelne Schuss wurde analysiert, kommentiert, aufkommende Fehler gleich durch entsprechende Übungen bekämpft. Das Ganze mit einer unglaublichen Begeisterung und mit viel englischem Humor und - immer mit Krawatte. Freudenschreie wie „what a lovely shot“ oder Verzweiflungsrufe wie „oh no, you wicked Lady“ klangen häufig über den Platz. Jeder Morgen begann mit Theorie und Kaffee. Wir lernten, dass 12er-Flinten nicht alle den gleichen Laufdurchmesser haben, dass der Beschussstempel einer alten Flinte nichts über deren Sicherheit im heutigen Zustand aussagt und wie man mit einem Zigarettenpapierchen die Dichtheit des Verschlusses prüfen kann. Neu für uns war auch die Erkenntnis, dass man mit leichter 21-Gramm-Munition genauso „Ton brechen“ kann wie mit 28-Gramm-Ladungen, siehe auch „dieflinte“, 5/2014. Von Tag zu Tag wurden unsere Ergebnisse besser. Nach dem dritten Tag auf dem Skeet-Stand ging es weiter zum „english sporting“, einer Art von Jagdparcours. Hier kamen weitere neun Wurfmaschinen für uns zum Einsatz, was das Training ungemein abwechslungsreich machte. An den letzten beiden Tagen hat uns Barry mit seinem Kollegen Paul jeweils eine 50-Tauben-Meisterschaft ausgerichtet, was riesigen Spaß machte. Auch jetzt noch wurden gute Schüsse begeistert kommentiert. 

Am Ende unserer Woche hatten wir tausend Patronen verschossen und waren um viele Erfahrungen reicher. Mit ausführlichen Anweisungen für das heimische Training und einer herzlichen Verabschiedung traten wir die Heimreise über den Kanal an. Die nächste Trainingswoche in der „Deal & Sandwich Shooting School“ bei Barry Gibb ist schon gebucht. Dann werden wir an den Nachmittagen auch einige andere Parcoursplätze in der näheren Umgebung besuchen.


Mit der Flinte nach England

Das Mitnehmen der Flinte nach England ist kein Problem, solange man sich an die Regeln hält. Es sei hier ausdrücklich davon abgeraten, ohne gültige englische Genehmigungen einzureisen, da schon in Calais sämtliche Fahrzeuge und Kofferräume wegen der Terrorismusgefahr kontrolliert werden. Um nach England zu reisen, muss der Schütze im Besitz des „Europäischen Feuerwaffenpasses“ sein. Der Pass ist, vereinfacht gesagt, eine europäische Waffenbesitzkarte. Hier müssen alle Waffen, die mitgeführt werden, eingetragen sein. 

Für die Einreise benötigt man zusätzlich ein „Visitor’s Shot Gun Permit“. Diese Einreiseerlaubnis mit der Waffe muss von einem sogenannten Sponsor, also z. B. der Schießschule, vor Ort für den ausländischen Schützen bei der entsprechenden Grafschaftspolizei beantragt werden. Die Erlaubnis wird zusätzlich in den Feuerwaffenpass von der englischen Polizei eingetragen. Für die Beantragung des „Permits“ reicht häufig auch eine pdf-Datei des Feuerwaffenpasses aus.


Text und Fotos: Ursula und Ernst Pfeffer