Schalldämpfer für Schrotflinten

Die norwegische Firma A-Tec hat den weltweit ersten Schalldämpfer für Schrotflinten konstruiert. Wir haben getestet, was die Flüstertüte kann und wofür sie geeignet ist.

Eins ist auf jeden Fall sicher: Wer irgendwo mit dem neuen A12-Schalldämpfer auftaucht, erregt damit mehr Aufmerksamkeit als mit einem Flintendrilling. Der Hinguckereffekt ist auf jeden Fall schon mal enorm, wenn man die neueste Entwicklung aus dem Hause A-Tec aus Norwegen „aufgepflanzt“ hat.

1999 begann Anders E. Johannsen, der Gründer der Firma A-Tec, eine Karriere wie Bill Gates, nämlich in seiner Garage. Johannsen empfand die Schalldämpfer, die bis dato auf dem Markt waren, alle  als hässlich, uneffektiv und überaltert. So begann er intensiv mit neuen, leichteren Materialien zu experimentieren und erzielte tatsächlich höhere Dämmwerte und leichtere Gewichte in einem gefälligen Design. Aus der Garage wurde eine topmoderne Hightech-Fabrik mit eigenen Forschungs- und Entwicklungsbereichen. Heute produziert die Fabrik jährlich 20.000 Schalldämpfer. Die Modellpalette deckt alle möglichen Kurzwaffen- und Büchsenkaliber für Sport- und Jagdzwecke ab. Eine echte Erfolgsgeschichte.

Die verwendeten Hightech-Materialien hat A-Tec nun zu einem Produkt angeregt, welches bisher noch nicht auf dem Markt war. Die norwegische Ingenieurs-
kunst hat einen Schalldämpfer für Flinten hervorgebracht. Allerdings gehen hier schon die Einschränkungen los. Da bei Quer- und Bockflinten die Laufabstände nicht genormt sind und jeder Hersteller da individuelle Maße verbaut, ist die Konstruktion eines Schalldämpfers für doppelläufige Flinten nahezu unmöglich. Der A12 ist deshalb nur für Einlaufflinten tauglich, sprich Pumpguns oder Halbautomaten. Ein weiteres Probl-
em steckt in der Natur einer Schrotladung. Durch den Dämpfer müssen mehrere Hundert Kugeln fliegen (und alle auch rauskommen), zum Teil mit Schrotbecher, der sich darin nicht aufpilzen darf. Diese Hürden hat A-Tec mit dem A12 gemeistert.

Die Montage

Das allererste Problem, das die Entwickler lösen mussten, befindet sich direkt am Laufende von Schrotflinten. Im Gegensatz zu Kugelbüchsen sind Flintenläufe äußerst „dünnhäutig“. Das Schneiden eines Gewindes für Schalldämpfer ist unmöglich. Somit muss der Schalldämpfer auf einen Spezialadapter-Choke geschraubt werden, den man mit dem Dämpfer bestellen muss. Dieser hat außen das Gewinde für den Dämpfer und auf der anderen Seite ein Choke-Gewinde. Mit den Gewinden für Beretta, Browning, Benelli, Franchi, Mossberg, Winchester, Weatherby und Remington dürfte aber ein Großteil der auf dem Markt befindlichen Monoläufer abgedeckt sein. Die Montage ist simpel. Spezial-Choke in den Lauf drehen und mit beigeliefertem Schlüssel festziehen. Dann den Schalldämpfer auf den Choke drehen, bis es nicht mehr weitergeht. Nun muss das Ganze noch mittig ausgerichtet werden. Dafür ist auf ihm ein Stück Laufschiene, die mit der Waffenlaufschiene in Flucht gebracht werden muss. Jetzt dreht man nun das ganze Teil soweit zurück, bis diese Flucht stimmt. Mit dem beiliegenden Hakenschlüssel wird eine große Kontermutter auf dem Choke gegengedreht und schon ist alles gebrauchsfertig.

Das Design

Der Schalldämpfer ist total asymmetrisch, da ja in der Visierlinie auf der Laufoberkante kein Platz bleibt. Bei einer Flinte schaut man naturgemäß über die Laufschiene. Diese darf natürlich von einem Dämpfer nicht zugebaut sein. Deshalb hängt der Resorptionskörper gleich einem Rohrsack nur unterhalb der Laufmitte, was das Gerät sehr klobig erscheinen lässt. Trotz Leichtbauweise bringt das Anbauteil immer noch satte 560 g auf die Waage. Die ganze Konstruktion ist 30 cm lang. Unsere Testwaffe war eine Benelli M2 mit einer Lauflänge von 71 cm und einem Gesamtmaß von 1,24 m. Nach der Montage hatte die komplette Konstruktion somit übergewichtige 1,54 m, was dann ungefähr der Dachhöhe eines Volkswagen T-Roc entspricht.

Der Praxistest

Wir testeten das Benelli-A12-Gespann auf dem Schießstand und auf der Krähenjagd. Zumindest die ganz großen Bedenken wurden nach zwei bis drei Probeschüssen auf die Tontauben relativiert. Die Trefferquote auf dem Jagdparcours war nach etwas Eingewöhnung ganz passabel. Auf jeden Fall besser als erwartet.

Auch drei neugierige Mittester, die diesen „Fahnenmast“ unbedingt probeschießen wollten, waren überrascht. Man trifft tatsächlich viele Tontauben, besonders die aus den Trap-Maschinen. Allerdings sollte man schon halbwegs im Voranschlag stehen, denn das Wuchten von 560 g am Laufende erfordert schon etwas Kraftaufwand. Für diejenigen, die es mal probiert haben, es fühlt sich ein wenig an, wie der Schrotschuss mit einem Bockbüchsen-Drilling. Kleben Sie mal mit Packband eine 500-g-Packung Reis ans  Laufende, nur noch mal 30 cm weiter vorne. Zarte Damenkörper dürften beim Hochwuchten wie einseitig dekorierte Weihnachtsbäume nach vorne fallen.

Ein sportliches Turnier damit zu bestreiten, ist völlig ausgeschlossen. Claypigeon-Virtuosen, die Laufgewichte in 10-g-Abstufungen im Servicekoffer haben, bekommen angesichts dieser Masse schnell Herzrhythmusstörungen. Aber die wenigsten Turnierschützen sind sowieso mit einer Einlaufflinte unterwegs.

Was man als Schütze selbst eigentlich nicht so richtig wahrnimmt, ist die Dämmleistung. Diese beträgt immerhin bis 20 dB. Alle Anwesenden auf dem Schießstand waren sich einig: Der Schuss mit dem A12 war zwar alles andere als unhörbar, aber erheblich leiser. Steht man nur 10 m von einer Schützenrotte entfernt, bei der einer mit diesem Dämpfer schießt, wird das sehr deutlich. Was aber auch auffällt, ist ein metallischer „Ping“, der jeden Schuss begleitet. Wir werden später sehen, warum.

Auf der Jagd ist der Dämpfer mit Sicherheit in seinem Element. Auf der Krähenjagd, bei der es nicht auf Ultraschnelligkeit ankommt, konnten wir mit dem A12 auf jeden Fall punkten. Wenn auch im Tarnschirm die 1,54 m gehandelt werden müssen, war die Dämmung, vor allem in der Nähe von Wohngebieten ein Plus. Die Lärmentwicklung im Kornfeld bei Sonnenaufgang konnte angenehm reduziert werden, was uns Anwohner sogar bestätigten.

Aber auch als Schütze bemerkt man subjektiv die Dämmung im Feldversuch viel mehr als auf der Schießbahn.

Die Reinigung

Der A12 lässt sich mit wenig Aufwand auseinandernehmen und reinigen. Nachdem man die vier Schrauben auf dem vorderen und hinteren Deckel gelöst hat, hat man das ganze Konstrukt in sechs Teilen auf dem Putztisch liegen. Eigentlich ist da gar nicht viel drin: Neben dem Gehäuse liegt dort der Frontdeckel mit der Laufverlängerung. Dieses Laufstück weist eine Art Felder ohne Drall auf, zwischen denen sich die vielen Gitterlöcher befinden, die den Schall ins Gehäuse ablenken. Durch diese Felder müssen sich sowohl Schrote als auch – soweit vorhanden – ein Schrotbecher durchzwängen. Drumherum steckt ein rechteckiges Gittergerüst mit zwei Laufführungen, zwei Gewindestiften und ein hinterer Gehäusedeckel. Alles sehr reinigungsfreundlich und ohne versteckte Hohlräume.

Und jetzt entdeckt man auch den Grund für das metallische „Ping“, welches man bei jedem Schuss hört. Was nämlich beim Durchlesen der Bedienungsanleitung sofort ins Auge fällt, ist der Hinweis auf die maximale Schusszahl, die der Schalldämpfer aushält. Es wird eine Haltbarkeit von 5.000 bis 10.000 Schuss Bleischrot und nur 1.000 Schuss Stahlschrot angegeben. Danach ist die innere Laufverlängerung „verbraucht“. Bei näherem Hinsehen fallen dann auch im Inneren dieses internen Laufes Spuren auf. Die ca. 150 Schuss, die wir gemacht hatten, hatten bereits gekratzt. Das ist aber auch nicht verwunderlich, da Schrote sogar das Innere von normalen Werks-Chokes mit der Zeit leiden lassen. Eine Schrotgarbe, die einen Lauf verlässt und auf 25 m einen Streukreis von 50 cm entwickelt, muss rein rechnerisch innerhalb des Schalldämpfers schon 1–1,5 mm expandieren. Die Schrote „schrappen“ also an dem Innenleben vorbei, bevor sie in Richtung Ziel fliegen.

Laut Hersteller ist das Weiterschießen mit einem verbrauchten A12 zwar nicht gefährlich, aber die Dämpfleistung geht sehr verloren. Und ich denke, kein Schütze will wirklich ausprobieren, was passiert, wenn der Metallverbund des inneren Gitters aufgibt und lose im Gehäuse scheppert. Das ist ein Wermuts-
tropfen, den man von Kugelschalldämpfern nicht kennt.

Fazit: Der A12 ist hauptsächlich für Jäger, die sich selbst und den Ohren der Anwohner etwas Gutes gönnen wollen. Die Maximalschusszahl, die der Dämpfer verträgt, ist sowieso für ambitionierte Tontaubenschützen untauglich. Das schwere Vorschaltgerät mit 560 g macht das schnelle Mitschwingen zum Kraftakt, auf anfliegendes Federwild ist es das jedoch kein Problem. Ob sich dieses Zubehör auf Dauer durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Bisher ist A-Tec noch der erste Hersteller, der sich an die Thematik Schalldämpfer für den Schrotschuss herangewagt hat.

Text und Fotos: Rainer Liese