Militär-Gehörschutz für Sportschützen und Jäger

Neuer Dualmodus-Gehörstöpsel gegen Impulsknall von 3M

Beim Schuss mit der Kugelbüchse stellen Gehörschützer mit Halbschalen in der Regel für den Schützen kein Problem dar. Jäger bevorzugen diese Variante sogar, halten sie doch im Winter beim stundenlangen Sitzen auf dem Hochsitz die Ohren schön warm und lassen einen dank Verstärkung anwechselndes Wild eher hören. Anders sieht es da bei der Bockjagd im Mai und beim Flintenschützen aus. Die dicken Joghurtbecher lassen im Sommer die Schweißtropfen rinnen und können, je nach Schäftung und persönlicher Gesichtsform, beim perfekten Anschlag unglaublich stören.

Der Gehörschützermarkt beschäftigt sich heute mehr und mehr mit den In-Ear-Systemen, bei denen der Gehörschutz im Ohr getragen wird. Die „Aktiven“ mit elektronischer Hörverstärkung kosten meist stolze mehrere Hundert Euro, die nicht jeder bereit ist zu investieren. Eine gute Alternative sind da die passiven Stöpsel, die den gleichen Schutz bieten, allerdings bei der Kommunikation mit Gesprächspartnern nur sehr dumpfe Sprachlaute durchlassen.

Trotzdem sollten auch sie nicht unbeachtet bleiben, da beim eigentlichen Schießen eine Hörverstärkung nicht nur überflüssig ist, sondern die Konzentration auf die Tontaube rapide abnimmt, wenn man die ganze Zeit den lautstarken Unterhaltungen seiner Hintermänner (und -frauen natürlich) mithören muss.

Die Firma 3M hat soeben ein neues Produkt auf den Markt gebracht, welches beide Varianten in etwa verbindet, die sogenannten Dualmodus-Gehörschützer.

Im Innenleben des Stöpsels verbirgt sich ein ISL-Membranfilter für Impuls-/Schussknall. Dieser Filter wurde vom ISL, dem deutsch-französischen, militärischen Forschungsinstitut in Saint-Louis im Elsass in Testserien entwickelt. Die Fertigung wurde dann bei der Firma 3M in Auftrag gegeben.

Ausschlaggebend für diese Forschung war, dass Soldaten die früheren, alten Schaumstoff-Gehörstöpsel bei echten Kampfeinsätzen einfach herausnahmen, um die z. T. für sie lebenswichtigen Geräusche oder Befehle nicht zu verpassen. Deshalb entwickelte man diesen wirksamen Schutz vor Knalltraumen bei gleichzeitigem, gutem Wahrnehmen der Umgebung. Es durfte keine anfällige Elektronik verbaut werden, der Gehörschutz sollte leicht und auch immer einsatzbereit sein und bei Verlust preiswert zu ersetzen. Der überwiegende Teil der Bundeswehrsoldaten hat den Impulsschall-Gehörschutz oder kurz ISGS immer dabei. Dieser ISGS ist mittlerweile aber auch bei den amerikanischen, französischen und niederländischen Streitkräften im Einsatz.

Seit Ende 2017 ist bei 3M nun auch die zivile Version des ISL-Impulsschall-Schützers auf dem Markt, der noch durch einen kleinen Schalter erweitert wurde. Unter dem Namen E-A-R-Switch Protection wird ein Schutzstöpsel mit einer kleinen Wippe angeboten. Er funktioniert beim Schussknall genauso wie auch im Arbeitsschutz bei Hammerwerken, Schmiedegeräuschen etc.

Mit diesem Wippschalter lassen sich zwei verschiedene Modi, auch mit Handschuhen, gut ertasten und umschalten, ohne sie aus dem Ohr nehmen zu müssen. Die erste, offene Schalterstellung wird „Achtsamkeitsmodus“ bezeichnet. Hier hat der Stöpsel die gleiche Wirkung wie sein militärischer Bruder ohne Schalter. Er lässt den Schützen alles hören, der ISL-Filter schließt beim Schußknall und schützt bis 190 dB.

Dieser „Achtsamkeitsmodus“ erleichtert dabei die Unterhaltung mit Schützen und Richtern enorm. Auf Schalterstellung „Normal“ wird die Abschottung vor Umgebungsgeräuschen auf den Level von Schaumstoffstöpseln heraufgesetzt. Er erlaubt dem Träger eine erhöhte Konzentration, wenn man z. B. selbst beim Schießen an der Reihe ist und man möglichst viel Ruhe benötigt.

Der von uns getestete Schützer mit der Artikelnummer 370-2047 wird mit drei Paar Ohrpassstücken und einer Halsschnur geliefert. Damit die Stöpsel nicht verloren gehen und immer hygiensich aufbewahrt werden, liegt der Packung eine äußerst praktische Gürteltasche bei, in der die Schützer gut verstaut sind.

Wenn man natürlich keine Verstärkung des Klanges wie bei den „Aktiven“ hat, sind die neuen Stöpsel für ca. 30 Euro aber trotzdem eine gleichwertige Alternative zu In-Ear-Systemen beim Schrotschuss, die verlässlich vor Knalltraumen schützt, eine gute Unterhaltung erlaubt und bei der man zudem keine Batterien wechseln muss. Er passt in jede Schieß- und Jagdweste

Text und Fotos: Rainer Liese