Gleitmittel vom Ninja-Frosch!

FrogLube, die neue Waffenpflege aus den USA – Top oder Frog?

Der amerikanische Exsoldat und Navy-Seal-Rentner Larry Lasky und seine Ehefrau Stacy leben in einem kleinen Einfamilienhaus in San Diego in Kalifornien. Sie bieten seit 2007 ein neues und angeblich revolutionäres Schmier-, Reinigungs- und Konservierungsmittel für Waffen an, genannt FrogLube CLP. www.froglube.com.

CLP steht für Cleaner, Lubricant and Preservative (Anm. der Red.: Ehe hier Missverstädnisse entstehen: Das englische Wort „preservative“ heißt übersetzt „Konservierungsmittel“!). Als Hersteller wird auf den Verpackungen eine Firma Audemous Inc. in Burleson im Großraum von Dallas/Texas genannt. Bei dieser Adresse handelt es sich allerdings nicht um einen Produktionsbetrieb, sondern lediglich eine Postadresse. Ein Produktionsbetrieb ist dort nicht zu finden, sondern nur eine kleine, typisch amerikanische Shopping-Mall.  

Der Webauftritt des Frosch-Schmiermittels ist, typisch amerikanisch, sehr martialisch aufgemacht und spricht damit eher Combat- und IPSC-Schützen als europäische Jäger und Tontauben-Enthusiasten an. 

Larry Lasky weist auf Infoblättern oder in Youtube-Interviews immer wieder darauf hin, er hätte all seine Erfahrung, die er als Navy-Seal gesammelt hat, in dieses Waffenpflegeprodukt einfließen lassen. Anscheinend hat sich bei den US-Streitkräften mit seinen aktuell rund 1.5 Millionen aktiven Soldaten seit ihrer Entstehung im 18. Jahrhundert bis dato noch niemand so richtig mit dem Thema optimaler Waffenpflege beschäftigt. 

Auf der Website gibt es eine „hochkarätige“ Referenzliste von namhaften Unternehmen aus der Waffenbranche. Unser Aufrufen der Websites erbrachte allerdings neben einigen Links, die ins Leere führten,  nur Händler, die FrogLube in ihr Sortiment aufgenommen haben. 

Der Minidose mit dem Ninja-Frosch auf dem Logo und der Füllmenge eines kleinen Sektglases (4 fl oz. od. 118 ml) entweicht beim Öffnen ein sehr strenger Kräuter-Minze-Geruch. Jeder, der daran riecht, sagt sofort: „Grüne Mundspülung, Geschmacksrichtung Cool Mint.“ Mit FrogLube behandelte Teile rochen nach der Anwendung im ganzen Raum so stark nach Zahnarztpraxis, dass wir damit behandelte Teile nach kurzer Zeit freiwillig zurück in den Waffenschrank einschlossen.

Der Inhalt besteht laut Larry Larsky aus 100 % Komponenten in Nahrungsmittelqualität. Es existieren Videos, in denen Endverbraucher in Butterbrote beißen, bestrichen mit FrogLube.

Warum die Paste allerdings überhaupt Nahrungsmittelqualität haben muss, also quasi eine Art Biowaffenpflege, wird nicht erklärt. Im normalen Jagd- oder Schießbetrieb dürfte es wohl kaum zu einer Kontamination von Böden und Gewässern durch Waffenpflegemittel kommen, wobei allerdings auch das Produkt unseres größten deutschen Waffenölherstellers völlig ungiftig und dieses ist sogar zusätzlich auch noch biologisch abbaubar ist! Ferner ist nicht bekannt, dass es unter Jägern und Sportschützen eine erhöhte Anzahl von radikalen Ökoaktivisten gibt, die darauf überhaupt besonderen Wert legen würden. Letztendlich küssen oder lecken Waffenbesitzer auch nicht ihre Flinten und Büchsen (ich persönlich auf jeden Fall höchst selten ;-)), als dass man sich dort mit synthetischer Waffenpflege den Magen verderben könnte.

Fakt ist, auf dem Schmierfettmarkt für Endverbraucher gibt es schon seit Längerem Erdölersatzstoffe, die aus Sonnenblumen, Ölpalmen, Kokospalmen und anderen ölhaltigen Gewächsen hergestellt werden. Diese werden gerne von veganen Radlern für ihre veganen Fahrräder gekauft.

Die Konsistenz der FrogLube-Paste bei Zimmertemperatur ist fettig und zäh wie Frittierfett. Aufgrund der Aussage, natürliche Komponenten zu verarbeiten, die Firmengeheimnis sind, haben wir mal versucht, nach dem Ausschlussprinzip die Inhaltsstoffe etwas einzugrenzen. Es muss sich also um tierisches oder pflanzliches Fett handeln, sonst würde von der Firma mit Sicherheit vom Verzehr absolut abgeraten, da in den USA die Produkthaftung zu Millionen-Dollar-Klagen führen kann. 

Tierisches Fett schlossen wir aufgrund des Eigengeruchs aus, obwohl der künstliche, superstarke Minzegeruch auch dieses überdecken könnte. Die Vermutung liegt also nahe, dass es sich bei dem Grundstoff um Kokos- oder Palmölfett handelt. Es ist sehr, sehr stark parfümiert (Wintergrünöl und eine Art Industriedeo) und grün eingefärbt. Erstaunt waren wir über die sehr dicke Konsistenz, es handelt sich mehr um eine Paste als ein Fett. Nach Aufbringung wird die Oberfläche auch etwas klebrig.

Das Fett verhielt sich dann auch wie erwartet, d. h. emulgiert nicht mit Wasser, sondern bleibt ungelöst. 

Wir haben von FrogLube-Anwendern gelesen, dass sich Schlagstücke an Kurzwaffen nach mehreren Schießdurchgängen und wiederholtem Abkühlen nur noch in Zeitlupe auf das Zündhütchen zu bewegten, was eine Schussabgabe verhinderte. Das möchte man als Jäger bei dem Versuch eines Fangschusses auf einen 180-kg-Keiler, der einen mit rot unterlaufenen Augen annimmt, lieber nicht erleben. Das grüne Fett hätte sich jedes Mal in der heiß geschossenen Waffe wie Wasser verteilt und sei danach an anderen Stellen im System wieder fest geworden. Diese Waffen mussten die  Besitzer danach komplett zerlegen und danach jedes einzelne Teil einer mühsamen Komplettreinigung unterziehen. 

Angeregt davon nahmen wir eine grobe Untersuchung der thermischen Stabilität vor, um herauszufinden, wie der Stoff unter normalen Trainings- und Jagdtemperaturen reagiert. Laut Hersteller schmiert FrogLube einwandfrei unter Bedingungen zwischen +125 bis runter zu –40 Grad Fahrenheit, umgerechnet also von +52 bis –40 Grad Celsius.  

Zuerst sollte der Frosch zeigen, was unter Kälteeinfluss passiert. Hierzu wurde die Dose einige Stunden in eine Gefriertruhe bei noch harmlosen –18 Grad Celsius gelegt. Dies simuliert ja nicht nur eine winterliche Auerhahnjagd in Finnland mit dem Finnspitz, sondern kann auch durchaus auf dem heimischen Jagdparcours im Wintertraining vorkommen. Als Resultat kam ein hart gewordener Fettblock aus der Kühlung. Ein Material mit so einer Viskosität lässt natürlich jedes flüssige Nachladen abbremsen, wenn nicht sogar zum Kraftakt werden. 

Als nächstes kam ein Hitzetest. Diesen haben wir in einem Backofen mit digitaler Wärmeregulation durchgeführt. Drei Teller, einer mit Kokosfett, einer mit Palmölfett und einer mit FrogLube, wurden langsam erhitzt. Die Reaktionen der drei Kandidaten fielen gleich aus. Die zähe Masse wurde langsam immer höheren Temperaturen ausgesetzt. Das bei 20 Grad noch feste Fett begann bei 30 Grad schon mehr in einen puddingartigen Zustand überzugehen. Bei 40 Grad wechselten alle drei in einen sirupartigen Zustand und letztendlich bei 50 Grad waren alle flüssig wie Wasser. 

Somit war der beste Schmiereffekt bei Zimmertemperatur feststellbar, was dafür spricht, dass es sich bei FrogLube um ein sog. „Industrial Food Grade Lube“ handelt, welches schon sehr lange in der NahrungsmittelIndustrie für Maschinen und Förderbänder be-nutzt werden muss. Hintergrund dieser Vorschrift ist der: Sollte das Maschinenschmiermittel in die Lebensmittel gelangen, hat dieses absolut ungefährlich für den Verbraucher zu sein. Hersteller dieser Indus-
trieschmierfette sind vielfältig und über den ganzen Globus verteilt. 

FrogLube wird laut Herrn Lasky angeblich von Metall aufgenommen. Dies gehört dann endgültig in den Bereich esoterischer Glaubensfragen. Als Laufstähle werden nämlich im Allgemeinen sogenannte Austenitische Stähle verwendet. Austenitische Stähle haben im Gegensatz zu anderen Stahllegierungen (Ferrit, Perlit, Zementit) ein kubisch flächenzentriertes Raumgitter, Dieses Gitter ist so eng, dass sich selbst kleine geradkettige Fettsäurederivate nicht durch die weniger als 0,356 Nanometer kleinen Atomabstände durchquetschen oder durchschlängeln können. 

Keine Rostschutz- oder Pflegekomponente reagiert oder verbindet sich mit dem Metall im chemischen Sinn, sondern haftet lediglich aufgrund Anziehung zwischen den Metallatomen und den Molekülen des Pflegemittels. Nur auf diese Weise bildet sich eine zeitlich beschränkte Schutzschicht gegen eindringendes Wasser oder Feuchtigkeit, dem Start für Korrosion. 

Mit den von FrogLube erwähnten „micro spaces“ sind wohl die Lücken zwischen den Metallkristalliten gemeint. Aber auch diese Lücken sind de facto keine Lücken. Die mikroskopisch winzigen Austenitkristalle müssen so dicht aneinander„kleben“, dass auch da nichts mehr dazwischenpasst. Sonst wäre der Stahl rau, spröde und brüchig, also für einen Gewehrlauf völlig ungeeignet. 

Im Laufe der Recherche stießen wir noch auf ein nahezu identisches, ebenfalls brandneues Produkt im Internet, genannt TrackLube Plus. Der Hersteller, der nicht zu ermitteln war, wirbt auf dieser Website für ein biologisches Schienenschmiermittel, welches es seit 2003 speziell für Achterbahnen und Riesenräder gibt. Wieso dieses Schmierfett allerdings nur für diese Fahrbetriebe taugt, wird auf der Seite nicht erklärt. Es soll ebenfalls sehr gut riechen, völlig umweltfreundlich sein und eine Rostschutz- und Gleitschicht bilden, was Fett im allgemeinen ja immer tut. Es wird in denselben kleinen Portionsgrößen und in denselben Schraubdosen verkauft. Diese Firma hat auf ihrer Internetseite das exakt gleiche Sicherheitsdatenblatt (bis auf die Produktfarbe, die hier blau ist), es kostet allerdings nur viel weniger. 

Alles in allem konnte FrogLube als Waffenpflege- und Gleitmittel bei uns nicht überzeugen. Eine zielgerichtete Anwendung gestaltet sich aufgrund der dicken Konsistenz sehr schwierig.

Den horrenden Literpreis von bis zu 270 Euro kann man besser für die speziellen Waffenfette und -öle alteingesessener Hersteller ausgeben. Diese sind bereits seit vielen Jahrzehnten erfolgreich auf dem Markt, die Rezeptformeln sind aufgrund Hunderter Praxistests von Fachleuten und Spezialisten optimiert, sie haben sich bei Streitkräften und privaten Waffenbesitzern bestens bewährt und sind zudem auch noch viel preiswerter.

Text und Fotos: Rainer Liese