Gehörschutz für die ganze Familie

bachmaier®

Noch ein In-Ear-Gehörschutz im Test? Zugegeben, wir hatten schon viele Tests, die In-Ear-Gehörschützer vorgestellt haben, und aus heutiger Sicht gibt es bis auf Kleinigkeiten nur wenige Unterschiede. Die Funktionen sind alle nahezu identisch und der einzige Unterschied ist, dass man bei manchen Modellen den eigenen Hörverlust im Programm ausgleichen und somit die Soundqualität verbessern kann. Nur eines vorweg: Der bachmaier® shooter kann das nicht. Dafür kann er ein paar andere Dinge, die aus unserer Sicht sehr interessant sind.

Otoplastik

Der Weg, um an einen individuellen Gehörschutz „bachmaier® shooter“ zu gelangen, geht über den örtlichen Hörgeräteakustiker, der die komplette Abwicklung übernimmt. Die Ohrabdrücke werden also direkt vor Ort gemacht und alles weitere durch den Hörgeräteakustiker in die Wege geleitet. Nach ein bis zwei Wochen ist der Gehörschutz dann fertig und kann abgeholt werden. Das Prozedere mit dem Abdruck funktioniert wie bei allen Otoplastiken: Man bekommt Silikon in das Ohr gespritzt, das nach ein paar Minuten ausgehärtet ist und entnommen werden kann. Bei dem Vorgang sollte man keine Entzündung im Ohr haben und vorab seine Ohren gründlich gereinigt haben. Die Ohrabdrücke werden bei bachmaier® per 3D-Scanner eingescannt, unter einer Seriennummer digital gespeichert und sind somit auch für weitere Produkte oder Nachbestellungen verfügbar.

Das Händlernetz von bachmaier® ist sehr dicht. Geben wir in der Händlersuche auf der Hersteller-Website die Postleitzahl unseres Verlags ein und lassen in einem Umkreis von 20 Kilometern suchen, werden acht Händler gefunden, die den Service für den shooter erbringen können. Jetzt muss man dazu sagen, dass wir hier eher ländlich leben und dass die Trefferquote in Ballungszentren sehr viel höher ist. Man sollte also keine Probleme haben, in seinem Umfeld einen Händler zu finden. In Deutschland gibt es ca. 500 bachmaier®-Partner, in Österreich und in der Schweiz jeweils ca. 150 bachmaier®-Partner.

Darüber hinaus werden Sie im weiteren Verlauf dieses Artikels feststellen, dass der Hörgeräteakustiker noch viel mehr für einen tun kann, als nur den „shooter“ zu verkaufen.

Der erste Eindruck

Das Erste, was den „shooter“ von den anderen In-Ear-Gehörschützern unterscheidet, ist das Material. bachmaier® verwendet „60 Shore Silikon Soft“ in zehn unterschiedlichen Farben für die shooter-­Otoplastiken. Das Material zeichnet sich zum einen durch einen hohen Tragekomfort und zum anderen durch eine hohe Widerstands- und Reißfestigkeit aus. Neben diesem Werkstoff setzt bachmaier® für die gesamte Produktpalette weitere Silikone ein, um den unterschiedlichen Anforderungen jedes Einsatzbereiches gerecht zu werden. Beispielsweise gibt es ein sehr weiches Material für eine Wasserschutz­otoplastik, die für Kinder mit Neigung zur Mittelohrentzündung eingesetzt werden kann. Neben der Tatsache, dass man den Wasserschutz „bachmaier® splash“  in allen poppigen Farben bekommt, ist dieses Material im Wasser auch schwimmfähig, damit es leicht wiedergefunden wird, falls es mal etwas wilder zugeht. In der Farbe klar-transparent gibt es das schwimmfähige Silikon allerdings nicht. Wem dies besonders wichtig ist, der könnte auf den Allround-Gehörschutz „bachmaier® silence“ zurückgreifen – gleiche Bauform wie „splash“, nur aus nicht-schwimmfähigem 60 Shore Silikon Soft gefertigt.

Insgesamt zeigt sich, dass die Produktpalette von bachmaier® weit über den „shooter“ hinausgeht und dem Schützen noch viel mehr bieten kann als nur einen reinen Gehörschutz für unseren Sport.

Auf dem Schießstand

Wir haben es schon unzählige Male geschrieben und wir tun es auch jetzt wieder: Ein Kapselgehörschutz, auch Micky Mouse genannt, wird immer mehr dämmen als ein In-Ear-Gehörschutz. Noch besser wäre ein Helm, aber das kommt bei uns Flintenschützen nicht infrage, da es dann mit dem Anschlag kompliziert werden könnte. Ein Helm würde allerdings auch die Stirnplatte schützen, die wie der gesamte Schädel den Schall aufnimmt. Ein befreundeter Ohrenarzt und Flintenschütze hat deshalb die Empfehlung gegeben, immer eine Kopfbedeckung zu tragen. Zum einen schützt diese gegen Splitter und zum anderen trägt sie nicht uner­heblich zum Gehörschutz bei, da sie die Stirnplatte bedeckt.

Ein Nachteil der Kapselgehörschützer ist die Tatsache, dass diese bei etwas dickeren Brillenbügeln nicht wirklich dicht abschließen. Wir haben dazu Tests in Schweden bei einem Hersteller von Gehörschützern gemacht. Ein dicker Brillenbügel mindert die Dämmleistung bis zu 10 dB. Wir konnten das in einem Test tatsächlich nachvollziehen. Ein anderer Nachteil könnte auch sein, dass man mit komplett bedeckten Ohren bei warmen Temperaturen stark unter den Kapseln schwitzt und das Tragegefühl nicht jedem angenehm ist.

Unser In-Ear-Gehörschutz shooter trägt sich durch das Otoplastikmaterial aus Silikon sehr angenehm. Ein Turnier über mehrere Stunden ist dadurch mit dem shooter kein Problem. Bei seiner Verwendung entfällt im Gegensatz zu Kapselgehörschützern das Problem, dass der Schütze mit seinem Flintenschaft an die Kapseln seiner „Micky Mäuse“ schlägt, und bei der Wahl der Kopfbedeckung hat man die freie Auswahl. Man könnte sogar mit Hut schießen! Macht keiner? Dann fragt doch mal Kollege Mike Yardley, der wahrscheinlich auch mit Hut schläft .

Die Schutzfunktion des shooters ist elektronisch gesteuert, allerdings gibt es hier, wie auch bei den Konkurrenzprodukten, keinen An- und Ausschalter. Man muss einfach das Batteriefach öffnen und die Batterie entfernen oder das Fach offen lassen. Dabei entlädt sich wie auch in allen an­deren Fällen trotzdem die Batterie, sodass es sich empfiehlt, vor jedem Training die Batterien zu checken oder vorsorglich zu tauschen. Als durchschnittliche Batterie­lebensdauer werden lt. Hersteller ca. 80 Stunden angegeben.

Ein Regler mit drei Programmen gibt
dem Schützen die Möglichkeit, die Um­gebungslautstärke entweder zu dämpfen, unverändert zu belassen oder zu ver­stärken. In der mittleren Position werden die Umgebungsgeräusche demnach 1:1 übertragen. Bei der Schussabgabe greift die Elektronik ein - die Lärmspitzenbegrenzung wird automatisch aktiv. Der „shooter“ dämmt passiv, also ohne Eingreifen der Elektronik, im Mittel 24 dB (SNR). Bei ­eingeschalteter Elektronik werden Lärmpegelspitzen von 115 dB auf ca. 90 dB heruntergedämmt. In Anbetracht der Tatsache, dass unsere 24-g- und 28-g-Patronen zwischen ca. 110 und 120 dB liegen, passt es mit der Dämmleistung so gerade oder liegt sogar etwas unter dem, was gefordert wird. Mehr Dämmung ist aber auch bei vergleichbaren Gehörschützern nicht drin. Will man mehr, muss man wieder zu den „Micky Mäusen“ greifen.

Der Preis

Der Preis für den „bachmaier® shooter“ liegt etwa bei 750 Euro (UVP). Im Vergleich mit Konkurrenzprodukten und im Hinblick auf den guten Tragekomfort durch die Verwendung von hochwertigem Material in Verbindung mit individueller Anpassung ist das ein durchaus fairer Preis.

Kein Fazit

Normalerweise würde jetzt das Fazit kommen und der Artikel wäre beendet. Aber jetzt geht es erst richtig los. Ein Blick auf die Website von bachmaier® lässt staunen. Es gibt neben dem shooter noch eine ganze Reihe von interessanten Produkten.

Fangen wir mit der Produktserie „fidelity“ an. Zufällig gehört unser „shooter“ zu dieser modular aufgebauten Produktlinie und lässt sich somit mit anderen Produkten kombinieren. Man kann nämlich zum Beispiel die Otoplastik von der Elektronik trennen und einen „fidelity b-Filter“, wahlweise mit verschiedenen Dämmwirkungen einsetzen (b10, b15, b25 und b30). Warum? Na, wenn es zu Rockkonzerten geht und der Flintenschütze mal so richtig steil gehen will, ohne das Gehör zu schädigen. Die Filter kosten pro Seite knappe 18 Euro und sind dann mit der Otoplastik, die ja individuell angefertigt wurde, ein perfekter Gehörschutz für Festivals oder in Situationen, in denen man einer Dauerbelastung durch Lärm ausgesetzt ist. Man könnte sie beispiels­weise auch beim Rasenmähen einsetzen.

Passend dazu gibt es auch die fidelity earphones. Das ist ein einfacher Kopfhörer zum Musik hören und telefonieren. Wir schreiben bewusst „einfach“, da bachmaier® in diesem Bereich zudem eine Bandbreite an Profiprodukten zu bieten hat. Auch mit den earphones lässt sich die individuell angepasste Otoplastik verbinden und man erhält dann einen perfekt sitzenden Kopfhörer für unterwegs, etwa für den Sport.

Neben den fidelity-Produkten gibt es noch weitere. Beispielsweise den Gehörschutz helmet für den Motorradfahrer oder den sleep, bei dem der Name Programm ist: Es ist nun mal unbestritten, dass es unter uns Schützen und Jägern kapitale Exemplare gibt, die nicht nur am Tag die Familie mit einem gewissen Schalldruck erfreuen, sondern auch nachts. Mit dem sleep kann sich der Rest der Familie in der Nacht schalldruckmäßig vom Oberhaupt der Familie abkoppeln und den verdienten Schlaf genießen. Telefon, schreiende Kinder oder der Wecker werden jedoch weiterhin registriert.

Mit seinen HEAROS In Ear Monitors schießt bachmaier® allerdings den Vogel ab. HEAROS sind hochwertige, maßgefertigte Kopfhörer für höchste Ansprüche auf der Bühne oder für die Freizeit. Alle Modelle können per Online-Konfigurator selbst auf der HEAROS-Website individuell designt werden. Die Preise variieren von 350 Euro für das Einstiegsmodell bis zu 1.150 Euro für das Premiummodell, das aber eher für den Berufsmusiker auf der Bühne geeignet ist.

Zum Schluss muss noch ein Produkt erwähnt werden, das wir bis dato nicht kannten. Angenommen, man hat ein Paar Apple Airpods und ist mit dem Klang auch zufrieden. Leider rutschen diese immer wieder aus dem Ohr oder drücken mit der Zeit. bachmaier® fertigt nach Ohrabdruck Otoplastiken, die die Airpods mit dem Ohr 100-prozentig passgenau verbinden. Für jeden handelsüblichen In-Ear-Kopfhörer oder auch jedes Headset kann bachmaier® einen „Adapter“ in Form einer angepassten In-Ear-Otoplastik für dein Ohr fertigen. Je nach Bauform liegen die Preise zwischen 94 Euro und 170 Euro.

Jetzt doch das Fazit

Der shooter ist für uns Schützen ein Top-Produkt der Firma bachmaier®. Der Preis geht in Ordnung und der Tragekomfort ist sehr gut. Wer sich aber nur den shooter von bachmaier® anschaut, verpasst das große Universum von Gehörschützern und Kopfhörern der Firma aus Ramsau im Berchtesgadener Land, die sich mit 55 Mitarbeitern nicht nur um die Ohren von Schützen kümmert, sondern die ganze Familie versorgen kann.

Text und Fotos: Dominik Allartz