Die kleinen Dinge des Lebens

Alles nur eine Frage des Blickwinkels

Wie oft wünschen wir uns so ein richtig grandioses Erlebnis, das uns mitreißt, das uns erkennen lässt, wie wir unsere Situation zum Besseren wenden können. Denn das ist ja doch ein sehr häufiges Bestreben von uns Menschen. Wir möchten etwas verändern, damit unser Leben endlich großartig ist. Und nach unserer Vorstellung gelingt uns das bestimmt, wenn wir etwas richtig Einzigartiges erleben.

Was wäre nun, wenn du dir einmal Zeit für die vielen kleinen Dinge in deinem Alltag nimmst, die dir eine Freude bereiten. Diese Dinge, die schon immer da sind, die du aber vielleicht als selbstverständlich betrachtet hast oder einfach als viel zu unbedeutend. Ist das wirklich der Fall?

Gib den vielen schönen Momenten und kleinen Dingen eine Chance, damit sie ihre ganze Schönheit entfalten dürfen. Damit sie dich im Herzen berühren können. Sie führen dich zu dir selbst. Darum ist es vielen Menschen oftmals auch unbequem, sich mit kleinen, scheinbar durchschnittlichen Dingen abzugeben. Das Gefühl der Großartigkeit fehlt.

Dazu eine kleine Geschichte. Ich hatte vor einigen Monaten meine Flinte zum Büchsenmacher gegeben, um die Schaftlänge zu kürzen und eine neue Schaftkappe anbringen zu lassen. Nachdem die Schaftläge ermittelt war, ging es noch um die Schaftkappe. Die Schaftkappe sollte nicht zu dick sein, sollte von der Farbe her zur Flinte passen und die Befestigungsschrauben der Schaftkappe sollte noch recht hübsch aussehen. Ich hatte in den ganzen Jahren, in denen ich das Wurfscheibenschießen jetzt nun schon mache, die ein oder andere hässliche Schraube an so mancher Flinte gesehen. Von Spax über Torx bis zu Schlitzschraube und Kreuzschraube wurde alles wohl schon verbaut. Die meisten verbauten Standardschrauben ab Werk an Schaftkappen sind Kreuzschrauben, sie erfüllen ihren Zweck und sind meist in Schwarz gehalten. Ich persönlich liebe Schlitzschrauben, wobei der Schlitz auf Strich gestellt sein sollte. Ist natürlich alles eine reine Geschmackssache. Umso mehr erfreute es mich, als ich meine Flinte wieder vom Büchsenmacher abholen konnte und mir die Schrauben angesehen habe. Ohne dass ich im Vorfeld etwas gesagt hatte, hatte der Büchsenmacher die Schrauben mit ein wenig Feilarbeiten versehen. Ich für meinen Teil war sehr begeistert von seiner Arbeit. Naja, es geht natürlich noch besser, Schraubenköpfe mit richtigen Gravuren, diese kosten dann aber auch einige paar Hundert Euro. Ich muss sagen, dass ich es vom Büchsenmacher eine schöne Geste empfand, so wie er die Schraubenköpfe bearbeitet hatte. Das Ganze ohne Mehrpreis.

Natürlich liegt wie immer die „Schönheit im Auge des Betrachters“

Der Ausspruch „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ will eigentlich deutlich machen, dass Schönheit nicht zu diskutieren ist, weil jeder einen anderen Geschmack hat. Die Frage ist jetzt: Ist Schönheit wirklich subjektiv? Was macht das „Auge des Betrachters“ aus? Mir scheint, dass hier ein Teufelskreis am Werk ist. Jedem von uns wird von Kindesbeinen an beigebracht, dass Schönheit eine relative Sache ist. Ist es also die Erziehung, die uns die Schönheit in die Augen legt? „Das ist jetzt aber ein schöner Schmarrn“, werden manche Leser über diese Frage nachdenken – und schon wieder wird deutlich, wie individuell über den Begriff Schönheit gesprochen und gedacht wird. Die Antwort auf die Frage, was denn nun schön ist, wird also unendlich und vielfach sein.

Es ist diese Liebe zum Detail, die mich so begeistert! Es sind die Kleinigkeiten, die am Ende den ganz großen Unterschied machen. Ich für meinen Teil erfreue mich jedes Mal, wenn ich die Flinte in die Hand nehme und damit schieße. Ich stehe halt auf Dinge, die mit Hand & Herz gefertigt sind. Es sind manchmal die kleinen Dinge des Lebens, die Freude machen

Text: Thorsten Heine
Fotos: Thorsten Heine/Instagram