Nichts von der Stange

Benelli Nova „Carbon“ oder eine sehr individuelle Vorderschaftrepetierflinte

Individuell zu sein heißt, sich nicht einfach den gegebenen Normen und Werten zu fügen und sich damit dem Mainstream anzupassen, sondern stattdessen seine eigenen Ideen und Ansichten zu entdecken.

Insofern entspringt der Wunsch nach Individualität meist dem Bedürfnis, sich aus der grauen Masse z. B. der Flintenschützen hervorzuheben. So entstand die Idee, einer Benelli Nova, die ja standardmäßig im schlichten Schwarz daherkommt, ein neues Aussehen zu geben. Sich hervorzuheben aus der Schützenmasse, ist z. B. in den USA nichts Neues. Dort werden Flinten und Büchsen teilweise auch mit Airbrush „verschönert“. Im eher konservativen Deutschland sieht man in puncto Veränderungen seltener.

Die Idee ist abgeleitet von der Benelli Supersport, die ja schon vom Werk aus ihr Carbonkleid hat. Aber wie jetzt Carbon oder besser gesagt einen Carbon Look auf die Flinte bringen? Die Technik, mit der das möglich ist, bezeichnet man als Wassertransferdruck. Wassertransferdruck ist ein Tauchbadverfahren, bei dem gewöhnliche Oberflächen mit außergewöhnlichen Dekoren veredelt werden. Für dieses Verfahren eignen sich fast alle Teile. Es kann auf nahezu beliebig geformten Teilen und einer Fülle an Materialien (z. B. Kunststoff, Holz, Stahl, Aluminium usw.) eingesetzt werden. Man kann eine Vielzahl von Objekten mit Wassertransferdruck veredeln, wobei sich das Verfahren besonders für das Beschichten von komplexen dreidimensionalen Teilen eignet. Falls erforderlich werden für den Wassertransferdruck zunächst die zu beschichtenden Teile grundiert und in einem Grundton lackiert (z. B. schwarz für Teile in Carbonoptik). Anschließend wird ein Folienfilm mit dem gewünschten Dekor auf einem mit Wasser gefüllten Tauchbecken ausgelegt. Nach einer Einwirkzeit wird eine Aktivatorflüssigkeit mit einer Lackierpistole auf diesen Folienfilm genebelt. Dabei löst sich die Trägerfolie auf, gibt das vorher aufgedruckte Dekor wie ein Ölfilm auf dem Wasser ab und bildet eine flüssige Farbschicht. Dabei bleibt das Dekor vollständig erhalten! Die zu beschichtenden Teile werden nun durch diese Schicht getaucht. Dabei legt sich das Dekor überall gleichmäßig durch den natürlichen Wasserdruck an die Teile an und erzeugt so das gewünschte Muster. Zum Schutz des Wassertransferdrucks werden die Teile mit einem hochwertigen Zwei-Komponenten-Klarlack versiegelt und poliert. Das Verfahren hat den Vorteil, dass man auch an diejenigen Stellen gelangt, die mit herkömmlichen Beschichtungsmethoden „unerreichbar“ bleiben. Der flüssige Dekorfilm umschließt das Objekt rundum. So wird eine gleichmäßige und nahtlose Beschichtung ermöglicht.

Es gibt über 1.000 Foliendekore. Neben dem modernen Carbonmuster, gibt es jegliche Tarn-, Wurzelholz-, Marmor-, Toten­kopf-, Tierfell- und Blumenmuster. Der Fantasie sind also kaum Grenzen gesetzt. 

Die Flinte musste für das Verfahren komplett zerlegt werden und wurde gleichzeitig hierbei überarbeitet. Alle Metallteile wurden poliert, der Abzug wurde überarbeitet und der Lauf wurde als Kontrast zum schwarzen Carbon mit einer Ilaflonbeschichtung in Silber überzogen. Ilaflonbeschichtungen kommen bei Waffen immer mehr zum Einsatz. Sie wird zur Beschichtung von Gegenständen aus Metall verwendet, bei denen es auf extrem hohe Abriebfestigkeit ankommt, weil sie solch eine hervorragende Abriebfestigkeit besitzt, die mit konventionellen Systemen nicht erreicht werden kann. Dank der sehr guten Haftung ist ein nachträgliches Bearbeiten der lackierten Objekte wie Bohren, Fräsen, Drehen, Polieren problemlos möglich. Das Material verfügt über eine sehr gute Chemikalienresistenz, sehr gute Wetterbeständigkeit sowie sehr gute Salzsprühbeständigkeit. Lackierte Waffenteile müssen nicht mehr geölt bzw. konserviert werden. Rost durch Handschweiß oder Witterungseinflüsse gehören somit der Vergangenheit an. Die Beschichtung wird bei einer Temperatur von nur 133° C eingebrannt. So erhält der Lauf eine schonende Behandlung und auch das Weichlot wird nicht in Mitleidenschaft gezogen. Nach der gesamten Prozedur werden alle Waffenteile wieder fachgerecht montiert.

Text und Bilder: Thorsten Heine