Hohe Schiene für eine Flinte

„Do it yourself“

Wenn das Wurftaubenschießen ein aktuelles Thema hat, das großes Aufsehen erregt, dann ist es die zunehmende Beliebtheit der hohen Schienen für Flinten. In erster Linie von Trapschützen adoptiert und in den letzten Jahren von Beretta, Browning, Krieghoff, Guerini, Perazzi usw. zu einer Kunstform entwickelt, wächst die Zahl der hohen-Schienen-Anhänger weiter. Aber während man jetzt verschiedene Schrotflinten mit hoher Schiene als Standard kaufen kann, gibt es jetzt einen noch einfacheren und günstigeren Weg in die Welt der hohen Schienen.

 „Do it yourself“ anhand des folgenden Beispiels

Ein Mitglied in unserem Schützenverein hat starke Probleme mit Schulter und Nacken. Um das Hobby Wurftaubenschießen weiter auszuführen, startete er den Versuch mit einer hohen Laufschiene bei seiner Flinte. Um jetzt nicht gleich eine neue Flinte mit hoher Schiene kaufen zu müssen, baute er mit der Hilfe eines Freundes seine Flinte auf eine hohe Schiene selber um. Bei der aktuellen flachen Schiene seiner Flinte wurde das Leuchtkorn entfernt und ein gut 3 cm hohes Aluminiumprofil mit drei Schrauben auf der alten flachen Schiene befestigt. Zur Gewichtsreduzierung wurde das Profil mit Bohrungen versehen. Das alte Leuchtkorn fand seinen Weg wieder auf das in schwarz lackierte Aluminiumprofil im gleichen Abstand zu Mündung wie bei der alten Schiene. Um nun die aufrechte Kopfhaltung zu gewährleisten, wurde aus dem Hinterschaft ein Stück herausgesägt, der sogenannte verstellbare Schaft­rücken ist in Entstehung. Direkt in den Hinterschaft wurden zwei Hülsen aus Aluminium zur Aufnahme der Schaftrückenverstellung eingebracht. Diese wurden mit Zweikomponentenkleber befestigt. An der Backe selber wurde eine Grundplatte mit zwei Führungsbolzen montiert. Die Führungsbolzen lassen sich seitlich einstellen, um später zu gewährleisen, dass das Auge direkt und mittig über der Schiene positioniert werden kann. Die Schaftbacke kann jetzt also in der Höhe und seitlich verstellt werden. Der „Hochschuss“ bleibt von der ganzen Aktion ­unberührt, da alles parallel einfach nur um ca. 3 cm angehoben wurde. Ehrlicherweise muss man natürlich sagen, das, die ­Flinte schon etwas lauflastiger geworden ist, dieses könnte man mit Gewichten im Schaft etwas abfangen. Die Flinte wiegt insgesamt 3.895 g, wobei 2.226 g auf Lauf und 1.630 kg auf den Schaft fallen. Sonst ist die Flinte unverändert, eine Browning B525 GTS. Die Browning B525 GTS ist seit vielen Jahren eine klassische Browning-Standardflinte für Sport und Jagd.

Zum Schießen selber kann man sagen, die Flinte schwingt wider Erwarten gut, trotz dass sie etwas lauflastig ist. Die hohe Schiene lässt den Kopf dort, wo er ist. Der Kopf bleibt ruhig an seiner Stelle, die Flinte geht zur Wange und Schulter. Die hohe Schiene hebt die Visierline und gibt einem das Gefühl, mehr Raum zu sehen, die Läufe verschwinden aus dem Sichtfeld. Das Hochschlagen der Flinte wird gefühlt verringert, dass kann allerdings auch am höheren Laufgewicht liegen. Ich finde, es war ein Projekt mit einem guten Ausgang. Die Schießfreude ist zurück und das ist doch das wichtigste, auch wenn es nicht ganz perfekt aus sieht wie bei einer gekauften „High Rib“-Flinte.

Aber letztendlich nicht Schaft, Lauf oder Schiene treffen, sondern nur der geübte Schütze. Wie jeder an sein Ziel kommt, muss jeder für sich herausfinden. Da wichtigste sollte aber sein, dass es schmerzfrei ist.

Text und Fotos: Thorsten Heine