Die Rizzini BR440 Sporting

Familienbande

Italien steht seit Jahrzehnten an der Spitze der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. „La dolce vita“ lockt jährlich etwa 41.000 Touristen aus aller Welt an. Ein Urlaub in Italien besticht durch „Cappuccino“, „Gelato“, „Pasta“, sonniges Wetter und zahlreiche Kunst- und Kulturgüter. Neben Rom, mit dem Kolosseum und der Spanischen Treppe, gehört das malerische Florenz in der Toskana zu den Topurlaubszielen. Rimini an der Adria gilt als führende Adresse für Bade- und Partyurlaube. Camping- und Wanderurlauber verbringen ihre freie Zeit besonders gerne an den oberitalienischen Seen. Die Gegend um den Gardasee und Lago Maggiore bietet alles, was das Aktivurlauberherz begehrt: Kitesurfen, Mountainbiking und Bergsteigen. Für alle Flintenschützen ist das Gardonetal die erste Adresse, wenn es um feine Flinten geht.

Rizzini hat seine Produktion in Marcheno. Marcheno ist eine norditalienische Gemeinde mit 4.334 Einwohnern in der Provinz Brescia in der Lombardei. Die Gemeinde liegt etwa 19 km nördlich von Brescia im Val Trompia an der Mella, keine 10 Minuten von Beretta entfernt. Neben Beretta und Salvinelli befinden sich im Val Trompia noch Sabatti, Caesar Guerini, Fausti, Zoli und viele weitere Firmen der Waffenindustrie Italiens.

Bei dem Namen Rizzini und der Herstellung von Flinten kommt leichte Verwirrung auf. Irgendwie ist Rizzini mit jeder Waffenmanufaktur im Val Trompia verwandt und verschwägert. Rizzini steckt in Ceasare Guerrini, in Fausti, in F.A.I.R. und und und. Jeder von ihnen baut Waffen, weil man im Val Trompia eben Waffen baut. Viele werden für den Exportmarkt hergestellt und sind eher Einsteigerflinten, während andere für Waffen von weit höherer Qualität bekannt sind. Battista Rizzini kommt auf jeden Fall in diese letztere Kategorie. Battista baut hochwertige BDF, BBF und DB unter dem Namen BR Rizzini.

Die Schanierbolzen sind bei der BR440 austauschbar, so wird später das Nachdichten der Flinte erleichtert. Nicht umsonst nutzen auch andere Hersteller, wie zum Beispiel Perazzi, ein Boss-Verschluss-System. Die Testflinte im Kaliber 12/76 hat 81 cm lange Läufe, bei einem Gesammtgewicht von knapp 3,9 kg. Man hat aber eher das Gefühl, die Flinte ist leichter, so gut ist sie ausbalanciert. Jeder, der die Flinte probegeschossen hat, war der Meinung, sie hätte eher ein Gewicht von 3 bis 3,5 kg. Der Schwerpunkt liegt beim Scharnier. Auch das Schwungverhalten ist sehr gut, sie ist eine sehr führige Flinte, die sich angenehm schießen lässt. Die 81 cm langen Läufe sind mit einer leicht ventilierten Zwischenschiene verlötet. Auf der ebenfalls ventilierten, 10 mm breiten Laufschiene sitzt ein rotes Leuchtkorn aus Kunststoff. Die BR440 Sporting wird mit 71er-, 76er- und 81er-Lauflänge angeboten. Mit im Lieferumfang dabei sind fünf Extendet Chokes, die frei nach Wahl ausgesucht werden können. Die Läufe haben selbstverständlich Stahlschrotbeschuss. 

Die schwarze Basküle mit dem goldenen Rizzini-Schriftzug tritt eher in den Hintergrund und verleiht der BR440  ein schlichtes Aussehen, was der Alltagstauglichkeit und der Dynamik dieser Flinte aber keinen Abbruch tut. Der glatt geschliffene Ölschaft im seidenmatten Finish besteht aus sehr ansprechendem Nussbaumholz. Die Maserung kommt durch das Öl-Finish gut zur Geltung. Der breite Vorderschaft liegt gut in der Hand und lässt die Flinte perfekt führen. Der Abzug ist knackig und macht einen positiven Eindruck und das als Standard ab Werk. Der Abzug kann aber durch einen Büchsenmacher über eine kleine Einstellschraube im Mechanismus noch weiter angepasst werden. Die Abzugsgruppe lässt sich von Hand herausnehmen und kann so besser gereinigt werden. Der Abzug kann in der Länge leider nicht verstellt werden. Das Maß zum Abzug ist aber so gewählt worden, dass er den meisten Schützen passt. Der Hinterschaft mit Pistolengriff hat eine gut passende Handballenausformung, die nur leicht herausgearbeitet ist und sehr gut in der Hand liegt. Was wie auch bei vielen anderen Herstellern für mich unverständlich ist, ist die nicht rutschen wollende Gummischaftkappe. Hier wäre ein Umdenken von Herstellerseite aus wünschenswert. Sonst wurde die Flinte hervorragend verarbeitet. Es macht Freude, die Flinte in die Hand zu nehmen und mit ihr zu schießen. Man merkt sofort, dass sie für das Wurfscheibenschießen gemacht wurde. Sowohl Metall- als auch Holzverarbeitung ist bei dieser Flinte perfekt. 

Die Flinte ist, meiner Meinung nach, eine weitere Alternative zu den drei Bs (Beretta, Browning, Blaser). Eine Flinte, die, so glaube ich, in den nächsten Jahren noch stärker in Erscheinung treten wird.

 

Text und Fotos: Thorsten Heine