Clay Pigeon Shooting Association England

Teil 2: Die Organisation

„CPSA zu sein“ ist für viele zuerst eine Geisteshaltung, eine sehr bestimmte Einstellung zum Flintenschießen und zum Umgang miteinander. Die Clay Pigeon Shooting Association (CPSA) ist aber auch eine Organisation, eine Interessenvertretung und ein Ausbildungssystem. Auf jeden Fall verkörpern die Initialen CPSA mehr als nur eine Schießmethode. Was sind die harten Faktoren des nationalen Dachverbandes des Wurfscheibensports in England? 

Geschichtliche Entwicklung

Wir können es uns heute kaum noch vorstellen. Aber es gab einmal Zeiten, in denen es von der eigenen Schießfertigkeit abhing, ob man am Abend etwas auf den Teller bekam oder nicht. Das Schießen auf bewegliche Ziele außerhalb der Jagd zu üben, war damals eine pure Notwendigkeit – ein Training und Vorbereitung für die Jagd, die der menschlichen Ernährung diente. Daneben entwickelte sich aus der Situation heraus bald ein Sport, der für manche zum Selbstzweck wurde und nicht Grundlage einer jagdlichen Tätigkeit war.

Die „Clay Pigeon“ oder „Tontaube“,  wie wir sie heute kennen, geht auf das Jahr 1880 zurück. Sie ersetzte die Glaskugeln, auf die man davor geschossen hatte. Glaskugeln waren von ihrer Gestalt her plump, sodass die Wurfgeschwindigkeiten und -weiten, die man mit ihnen erreichen konnte, sehr begrenzt waren. Die flachen „Untertassen“ brachten neuen Schwung in den Sport.

Auf Schießständen wurde zu der Zeit außerdem auch auf Lebendtauben geschossen, die in Käfigen bereitgehalten und auf Kommando des Schützen geöffnet wurden. 

1892 bildete sich die „Inanimate Bird Shoot-ing Association“, ein Verein für das Schießen auf nicht lebende „Vögel“. Deren erste Meisterschaft fand im Wimbledon Park, London, am 29. Juli 1893 statt.

Das Schießen auf Lebendtauben als Sport auf Schießständen wurde in England 1921 verboten. Infolgedessen erhielt das Tontaubenschießen einen stärkeren Zulauf. Einige Jahre später wurde die „Amateur United Clay Pigeon Association of Great Britain and Ireland“ ins Leben gerufen. Der 27. April 1928 gilt als ihr Gründungsdatum. Aus dem langen und umständlichen Namen wurde die „Clay Pigeon Shooting Association“. Die älteste heute verfügbare Aufzeichnung zeigt, dass die CPSA 1946 einhundert Mitglieder hatte. 1968 waren es 1.414 Mitglieder und 226 verbundene Clubs. Heute zählt die CPSA 26.000 Mitglieder und über 500 CPSA-Clubs.

Aufgaben und Rolle der CPSA

Die  CPSA fördert die Entwicklung des Wurfscheiben-Schießsports und treibt ihn voran. Sie verbindet ihn mit Regierungsstellen und Polizeibehörden und vertritt die Interessen ihrer Mitglieder im politischen und gesellschaftlichen Raum. Wir kennen in Deutschland die kontinuierlichen Bedrohungen unseres Sports durch Politik und Gesetzgebung. In England verhält sich das nicht anders. Die Lobbyarbeit nimmt einen bedeutenden Teil des Verbandsgeschehens ein. Die CPSA unterstützt die Countryside Alliance und den British Shooting Sports Council. Alle diese Organisationen arbeiten daran, den Sport auch für unsere Kinder fortbestehen zu lassen. 

Die CPSA regelt und entwickelt alle technischen und sonstigen Aspekte des Wurfscheiben-Schießsports. Es gibt einige Tausend Wettkämpfe im Jahr in England, die CPSA-
registriert sind. Die Ergebnisse der Mitglieder, die daran teilnehmen, werden an die CPSA übertragen. Dort werden zweimal im Jahr Durchschnitte ausgerechnet, anhand derer die Schützen in Klassen eingeteilt werden (AAA, AA, A, B, C oder D). Somit wird es möglich, dass ein Sportler gezielt mit denjenigen in einen Wettkampf treten kann, die seiner Leistungsklasse entsprechen.

Die CPSA fördert und organisiert nationale Meisterschaften in sechzehn verschiedenen Disziplinen und wirkt an internationalen Veranstaltungen mit, die in England stattfinden.

CPSA-Mitglieder erhalten zehn Mal im Jahr die Mitgliederzeitschrift PULL!, ein auch für einen deutschen Schützen interessantes und lesenswertes Magazin im Hochglanzlook.

Ausbildungssystem

Die  CPSA hat in den neun Jahrzehnten ihres Bestehens ein hochprofessionelles Ausbildungssystem entwickelt. Ausgebildet werden Flintenschützen, Ausbilder, Schiedsrichter und Club Safety Officers. Für jede Interessensrichtung gibt es ein Angebot – und zwar auf allen Levels. Kurse finden auf Schießständen in ganz England statt. Da es sich um ein System handelt, kann man sicher sein: Wo man auch immer seinen Kurs belegt, in Wales oder in Schottland, die Ausbildungsinhalte sind überall dieselben. Was wiederum bedeutet, wo man auch immer in Großbritannien den nächst höheren Level anstrebt, man weiß, dass man die richtigen Voraussetzungen mitbringt. Und alle anderen Teilnehmer, egal wo sie auch den Kurs davor absolviert haben, befinden sich auf dem gleichen Wissensstand. Welch ein Luxus, mag nun mancher denken, weil er selbst vielleicht eine ganz andere Erfahrung gemacht hat, nämlich dass „jeder etwas anderes erzählt“. Eine große und professionelle Organisation, der sich alle verpflichten, die ihr angehören wollen, verhindert, dass „jeder sein Süppchen“ kocht.

Die CPSA-Ausbildungskurse werden im Rahmen der „CPSA Academy“ reihum auf den verschiedensten Schießständen der Insel veranstaltet. Sie werden von langer Hand vorbereitet und in der Mitgliederzeitschrift sowie auf der Webseite angekündigt.

Die Kurse sind für jedermann offen. Man muss nicht Mitglied der CPSA sein, um teilnehmen zu dürfen.

Daneben kann man natürlich jederzeit und an unzähligen Orten einen CPSA-Ausbilder buchen. Wer außerhalb der vom Verband angebotenen Kurse Trainingsstunden bei einem CPSA-Instructor oder Coach buchen möchte, dem steht eine Suchmaschine auf der Webseite der CPSA zur Verfügung. Die braucht man auch, denn eine solche Zahl von professionellen, zertifizierten Ausbildern ist für hiesige Verhältnisse (fast) nicht vorstellbar. Sie zählen sich nicht nach Dutzenden, sondern nach Hunderten. 

CPSA-Ausbilder sind im Schießen ausgebildet und im Ausbilden, was zwei sehr verschiedene Dinge sind. Eine Fähigkeit, die ein CPSA-Ausbilder außerdem besitzen muss, und die von der CPSA auch abgeprüft wird, kann indessen nicht oder fast nicht gelehrt werden. Das Können, im Detail zu sehen und zu erkennen, was der zu Trainierende macht, an vielen Stellen gleichzeitig während der kurzen Phase des Schießens, ist mehr eine Begabung als etwas, das jeder lernen könnte. Diese Fähigkeit hängt auch mit der Einstellung zu anderen zusammen – innere Einstellung und Wahrnehmung bedingen einander. 

Zertifizierte Schießstände

Dem Besucher der CPSA-Webseite steht neben dem Kursangebot der CPSA-Academy und der Möglichkeit, über eine Suchmaschine einen CPSA-Ausbilder zu wählen, auch eine Karte mit den über 500 CPSA-Schießständen in Großbritannien zur Verfügung. Mit Suchmaschine natürlich – denn die braucht man in diesem Fall! Sie liefert alle Kontaktdaten und Informationen des jeweiligen Standes, sodass einem Besuch wirklich nichts im Wege steht. Ein „CPSA-Club“ zu sein bedeutet, von der CPSA nach deren Statuten als Schießstand anerkannt und zertifiziert zu sein. Der Besucher kann sich darauf verlassen, von der CPSA festgelegte Standards vorzufinden und ein Ausbildungsangebot. Novizen, die „aufschlagen“, werden dort nicht sich selbst überlassen. Sie werden an die Hand genommen von einem Club Safety Officer, von einem Instructor und anderen. Die Formel heißt „Herzlich willkommen“ – „Welcome to our sport“.

Die Schießstände sind teilweise in einer Größenordnung angelegt, die wir uns nur schwer vorstellen können. Wo wir auf einem Schießstand eine Skeet-Anlage vorfinden, liegen dort sechs nebeneinander, der Jagdparcours kommt nochmal extra, und die Trap-Anlage(n) wurde(n) auch nicht vergessen.

Fazit

Die CPSA hat in knapp einem Jahrhundert ein System geschaffen, das den Menschen dient, die den Wurfscheibensport mit Freude genießen wollen. Wer jedoch glaubt, mit dem Alter habe sich auch der Staub angesetzt, irrt gewaltig. In den Kursen der „Academy“ sitzen in der letzten Reihe die Offiziellen mit ihren Notebooks. Sie beobachten, analysieren, fassen zusammen und halten fest – die gewonnenen Erkenntnisse fließen schon in das nächste Seminar ein. Wandel und Entwicklung zu leben, das ist auch „CPSA“. 

Flintenschützen in anderen Ländern können von solch einer Einrichtung träumen – oder von Zeit zu Zeit die Insel besuchen!

 

 

Text und Fotos: Detlef Riechert